In der weiten Marschlandschaft des Bøtø Nor leben sie: Kleine, robuste Wildpferde, die aussehen, als wären sie direkt aus einer anderen Zeit zu uns gekommen. Seit 2015 grasen Exmoor-Ponys und Konik-Pferde im Naturschutzgebiet im Süden Falsters und haben sich zu einem echten Besuchermagneten entwickelt.

Als wir das erste Mal hierher kamen, war es ein neblig-kühler Novembermorgen. Die Sonne kämpfte sich gerade durch den Dunst, als plötzlich etwa 15 Pferde wie Schattenrisse aus dem Morgennebel auftauchten. Diesen Moment vergisst man nicht.

Was sind das für Pferde?

Die Pferde im Bøtø Nor gehören zu zwei alten, robusten Rassen: Exmoor-Ponys aus England und Konik-Pferde aus Polen. Beide Rassen gelten als besonders ursprünglich und kommen dem europäischen Wildpferd, dem Tarpan, genetisch sehr nahe. Sie sind perfekt an das raue Klima angepasst und überstehen auch harte Winter im Freien.

Die Herde umfasst aktuell etwa 25-30 Tiere. Du erkennst die Exmoor-Ponys an ihrem dunkelbraunen Fell mit den charakteristischen hellen "Mehlmäulern" rund um Nüstern und Augen. Die Koniks sind etwas größer und haben ein mausgraues Fell mit dunklem Aalstrich auf dem Rücken.

Naturpfleger auf vier Hufen

Die Pferde wurden nicht nur als Attraktion angesiedelt. Sie erfüllen eine wichtige ökologische Aufgabe: Durch ihr Grasen verhindern sie, dass die offene Marschlandschaft zuwächst. So bleibt der Lebensraum für seltene Vogelarten wie Kiebitze, Rotschenkel und Uferschnepfen erhalten.

Wo findest du die Pferde?

Das Bøtø Nor ist ein großes Feuchtgebiet südlich von Marielyst. Die Pferde bewegen sich frei im Naturschutzgebiet und können an verschiedenen Stellen beobachtet werden. Am besten erreichst du die Beobachtungspunkte:

  • Aussichtsturm Bøtø: Von hier hast du einen fantastischen Überblick über das gesamte Gebiet. Mit etwas Glück siehst du die Herde in der Ferne grasen.
  • Wanderweg am Deich: Der Weg führt direkt am Rand des Schutzgebiets entlang. Oft kommen die Pferde bis an den Zaun.
  • Parkplatz Gedser Landevej: Guter Ausgangspunkt für Erkundungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Anfahrt & Parken

Von Marielyst fährst du Richtung Gedser auf der Bøtøvej. Nach etwa 5 km siehst du rechts die Ausschilderung zum Naturschutzgebiet.

  • Parkplatz Aussichtsturm: Marrebæk Østvej, 4872 Idestrup (kostenlos, ca. 15 Plätze)
  • GPS-Koordinaten: 54.7234° N, 11.9345° O
  • Mit dem Fahrrad: Von Marielyst ca. 25 Minuten auf flachen Radwegen – die schönste Art anzureisen

Die beste Zeit zur Beobachtung

Die Pferde sind das ganze Jahr über im Gebiet. Doch wann du sie am besten siehst, hängt von der Jahreszeit und Tageszeit ab:

Tageszeiten

  • Früher Morgen (6-9 Uhr): Die Pferde sind aktiv und grasen oft in der Nähe der Wege. Das weiche Morgenlicht ist perfekt für Fotos.
  • Später Nachmittag (16-19 Uhr): Vor Sonnenuntergang werden die Tiere wieder aktiver. Besonders schöne Stimmung.
  • Mittagszeit: Die Pferde ruhen oft und stehen zusammen im Schatten oder Windschutz. Schwerer zu finden.

Jahreszeiten

  • Frühling (März-Mai): Fohlenzeit! Die jungen Pferde sind besonders verspielt. Ein Highlight für Fotografen.
  • Sommer: Die Pferde verteilen sich über das große Gebiet. Vom Aussichtsturm am besten zu erspähen.
  • Herbst/Winter: Die Herde zieht sich zusammen. Die robusten Pferde mit ihrem dichten Winterfell sind beeindruckend.

Verhaltensregeln

Die Pferde sind zwar an Menschen gewöhnt, aber es sind Wildtiere. Halte mindestens 20 Meter Abstand, füttere sie niemals und gehe nicht in das eingezäunte Gebiet. Hunde müssen angeleint bleiben. Die Tiere können ausschlagen, wenn sie sich bedrängt fühlen.

Fotografen-Tipps

Das Bøtø Nor ist ein Paradies für Naturfotografen. Hier einige Tipps für gelungene Aufnahmen:

  • Teleobjektiv mitbringen: Mit 200-400mm kommst du nah genug heran, ohne die Tiere zu stören.
  • Geduld haben: Manchmal dauert es, bis die Pferde in eine gute Position kommen. Warte auf den richtigen Moment.
  • Gegenlicht nutzen: Die Morgensonne oder das Abendlicht erzeugen wunderschöne Silhouetten und warme Töne.
  • Niedriger Standpunkt: Auf Augenhöhe der Pferde wirken Fotos besonders eindrucksvoll.

Auch für Vogelfreunde

Das Bøtø Nor ist eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Dänemarks. Hier brüten seltene Wat- und Wiesenvögel. Im Frühjahr und Herbst rasten Tausende von Zugvögeln. Fernglas nicht vergessen!

Packliste für deinen Besuch

  • Fernglas: Unverzichtbar! Die Pferde sind manchmal weit entfernt
  • Festes Schuhwerk: Die Wege können matschig sein, besonders nach Regen
  • Wetterfeste Kleidung: Das Wetter wechselt schnell in der offenen Landschaft
  • Mückenschutz: Im Sommer kann es in der Feuchtwiese Mücken geben
  • Snacks & Wasser: Es gibt keine Versorgung vor Ort
  • Bestimmungsbuch: Für Vögel und Pflanzen – es gibt hier viel zu entdecken

Kombiniere deinen Besuch

Das Bøtø Nor liegt perfekt für einen Halbtagesausflug. Hier ein paar Ideen, wie du den Besuch mit anderen Aktivitäten verbinden kannst:

  • Morgentour + Strandtag: Früh zu den Pferden (6-9 Uhr), dann weiter zum nahegelegenen Bøtø Strand für einen entspannten Strandtag
  • Fahrradtour: Von Marielyst über Bøtø Nor bis nach Gedser (ca. 25 km) – flach und landschaftlich reizvoll
  • Mit dem Gedser Besuch kombinieren: Erst zu den Pferden, dann zum südlichsten Punkt Dänemarks und zur Gedser Remise

Was andere Besucher berichten

"Wir waren skeptisch, ob wir die Pferde überhaupt sehen würden. Aber schon nach 10 Minuten auf dem Aussichtsturm entdeckten wir die Herde. Als sie dann langsam näher kamen, hielten meine Kinder (8 und 11) gebannt den Atem an. Das war echter Naturzauber!" – Familie Bergmann aus Hamburg

"Als Fotografin war ich begeistert. Die Lichtstimmung morgens um 7 Uhr war fantastisch, und mit etwas Geduld konnte ich die Pferde im Gegenlicht fotografieren. Ein Geheimtipp für Naturfotografen!" – Sabine K. aus Berlin

Unser Fazit

Die Wildpferde von Bøtø Nor sind eines jener Naturerlebnisse, die man nicht so schnell vergisst. Es hat etwas Beruhigendes, den robusten Tieren beim Grasen in der weiten Landschaft zuzusehen. Nimm dir Zeit, pack ein Fernglas ein und lass dich von der stillen Schönheit dieses besonderen Ortes verzaubern.

Unser Tipp: Komm an einem Wochentag früh morgens. Dann hast du die besten Chancen auf ungestörte Tierbeobachtung und oft den ganzen Aussichtsturm für dich allein.