Sie leben das ganze Jahr draußen, fressen sich durch 153 Hektar Küstenwald südlich von Marielyst – und teilen sich das Revier mit Schottischen Hochlandrindern. Wildnis mit klarer Aufgabe: die Landschaft offen halten, ganz ohne Maschinen.
Ein kurzer Faktencheck vorweg, weil das oft durcheinandergeht: Die Wildpferde leben nicht im Bøtø Nor – das ist das 110 ha große Vogelreservat direkt nebenan, mit Kranichen, Seeadlern und der Dampfpumpenstation von 1901. Die Pferde grasen im Bøtøskoven, einem 153 ha großen Küstenwald-Reservat, das die Den Danske Naturfond (eine private dänische Naturschutzstiftung) betreut. Beide Gebiete liegen direkt südlich von Marielyst – wer das eine besucht, sollte das andere gleich mitnehmen.
Die Konik-Ponys teilen sich das Revier mit Schottischen Hochlandrindern – zwei Arten, ein Job: Sie fressen Gräser, Büsche und junge Bäume zurück und halten damit den lichten Küstenwald offen. Davon profitieren seltene Schmetterlinge wie der Spiegelfalter und der Schwarze Feuerfalter (der ist 1991 in Dänemark wieder aufgetaucht, nachdem er lange als ausgestorben galt), dazu der Karmingimpel als Brutvogel. Wenn du ein Konik wackelnd am Brombeerstrauch siehst: Das ist sein Beitrag zur Schmetterlings-WG.
Ehrlich gesagt: Du siehst die Pferde nicht immer. Auf 153 ha lichtem Wald können sich 20–30 Tiere gut verstecken. Plane Zeit ein, lauf langsam, bleib leise – dann klappt es meistens beim ersten oder zweiten Anlauf.
Stockmaß – kompakt, kräftig, zäh
lichter Küstenwald, südlich Marielyst
dichtes Fell schützt bis weit unter null
gemeinsame Pflege für seltene Falter
Bøtøskoven war jahrhundertelang Marsch und Küstenheide, bis der Bøtø-Damm Anfang des 20. Jahrhunderts das Hinterland trockenlegte und Birken, Erlen und Brombeere die Fläche zuwucherten. Ohne Eingriff würde aus dem lichten Mosaik aus Heide, Magerrasen und altem Eichenbestand ein dichter Sekundärwald – und genau das wollen Den Danske Naturfond und die Biolog:innen nicht.
Statt mit Motorsäge und Mulchgerät übernehmen seit der Übergabe an Den Danske Naturfond Konik-Ponys und Schottische Hochlandrinder den Job. Die Pferde fressen lieber Gras und Kräuter, die Rinder gehen an die holzigen Triebe – zusammen halten sie die Lichtungen offen. Die Tritte ihrer Hufe drücken Samen in den Boden und schaffen kleine offene Stellen, die seltene Insekten brauchen.
Konik heißt auf Polnisch schlicht „kleines Pferdchen". Die Rasse wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Polen zurückgezüchtet, mit dem Ziel, dem europäischen Wildpferd Tarpan möglichst nahe zu kommen. Ob das genetisch wirklich aufgegangen ist, diskutieren Biolog:innen bis heute – das Resultat ist trotzdem ein robustes, kompaktes Pferd, das sich europaweit in Naturschutz-Projekten bewährt hat: in der Oostvaardersplassen in den Niederlanden, im Niederrhein-Gebiet, eben auch im Bøtøskoven.
Erkennungsmerkmale: mausgraues bis falbes Fell, dunkler Aalstrich auf dem Rücken, schwarze Mähne und schwarze Beine. Stockmaß 130–140 cm, also kleiner als ein Haflinger, aber kräftiger gebaut. Im Winter wächst ein dichtes, woolliges Fell – deshalb brauchen sie weder Stall noch Decke, auch wenn der Wind über die Bøtø- Dünen pfeift.
Und ja, sie sind frei, aber nicht verwildert: Die Herde wird regelmäßig durchgezählt, bei Bedarf werden Tiere in andere Naturreservate umgesiedelt, damit die Bestandsdichte zur Fläche passt. Hands-off ist nicht gleich Niemand-kümmert-sich.
Mit dem Auto rund 25 Minuten Richtung Norden über Sundvejen und Bøtøvej. Wer mit dem Rad anreist: Der Berlin-Kopenhagen-Radweg verläuft direkt durchs Gebiet – Abstecher zu Fuß lohnt sich.
Mit dem Rad gut 15 Minuten in den Süden über die Bøtøvej. Vom Strandparkplatz Marielyst Strand sind es zu Fuß rund 45 Minuten, immer am Deich entlang. Mehrere Schotterparkplätze entlang der Bøtøvej eignen sich als Start.
Kostenlos, ganzjährig zugänglich. Markierte Wanderwege führen durch das Reservat – auf den Wegen bleiben ist Pflicht, Hunde an die Leine.
Kartenausschnitt: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz ODbL.
Die Tiere sind frei, nicht zahm. Nie zwischen Stute und Fohlen treten und nichts füttern – Brot und Äpfel sind für Pferde, die nur Gras gewohnt sind, regelrecht schädlich. Hochlandrinder wirken gemütlich, sind aber genau so wild.
Auf 153 ha siehst du selten alle Tiere auf einmal. Mit 8×42-Fernglas oder einem 200-mm-Teleobjektiv hast du die Pferde scharf vor der Linse, ohne dich ihnen aufzudrängen.
Aktiv sind die Herden meist eine Stunde nach Sonnenaufgang und kurz vor dem Eindämmern. Mittags stehen sie gerne im Halbschatten der Birken oder am Strandsaum – dort siehst du sie kaum.
Das Bøtøskoven ist ein Schutzreservat. Quer durchs Gestrüpp = Lebensraum kaputt. Markierte Pfade führen dich an die wichtigsten Sichtachsen, Hunde an die Leine – sonst werden die Pferde nervös.
Kleiner Tipp: Im Frühjahr (April/Mai) lohnt sich der Weg doppelt. Im benachbarten Bøtø Nor ziehen zehntausende Zugvögel durch, die Karmingimpel singen im Bøtøskoven, und mit etwas Glück siehst du frisch geborene Konik-Fohlen. Plane Wildpferde + Vogelreservat als kombinierten Halbtag ein, das passt zeitlich und räumlich gut zusammen.
Die Scandlines-Hybridfähre braucht von Rostock nach Gedser rund zwei Stunden. Vom Anleger sind es weitere 25 Auto-Minuten in den Bøtøskoven. Pack das Fernglas ein – und vielleicht festes Schuhwerk, der Boden ist nach Regen weich.
Bildnachweise: Hero/OG/Story: Foto „Wild Konik horses" von Roy van Wijk, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Feature/CTA-Karte: Foto „Konik horses in the Gendtse Waard" von Industrees, CC0 1.0 (Gemeinfrei), via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.