Die Inselhauptstadt fängt dich überraschend schnell ein: ein 0,5 km langer Bummel durch die Gågade, ein Bürgerhaus aus dem Jahr 1690 (in dem ein Zar geschlafen hat) und ein Fachwerkviertel, das schon zur Renaissance stand.
Die meisten Falster-Reisenden kennen Nykøbing nur als Bahnhof oder als Tankstop auf dem Weg zum Strand. Schade. Wer einmal die Gågade hochläuft, an der Klosterkirken vorbei und in das Latinerkvarteret abbiegt, steht plötzlich vor Fachwerkhäusern aus dem 16. Jahrhundert – und vor Marius Mortensens Eftf., dem ältesten Wein- und Tabakgeschäft Dänemarks.
16.446 Menschen leben hier (Stand 2024) – das sind mehr als ein Drittel aller Falsteraner. Damit ist Nykøbing weder ein Großstadtmoloch noch ein Dorf, sondern das, was die Dänen provinsby nennen: handlich genug, um zu Fuß alles zu erreichen; groß genug für ein Theater von 1912, einen Zoo, ein eigenes Stadion und drei dänische Lebensmittelketten in einer Straße.
Plan ein: zwei bis drei Stunden für einen ernsthaften Stadtbummel, einen halben Tag, wenn du Czarens Hus von innen sehen oder im Museum Obscurum zwischen angeblichen Vampirskeletten und Meerjungfrauen-Sammlungen schlendern willst. Hungrig? Die Cafés am Nytorv haben den Vorteil, dass dort fast nur Einheimische sitzen – Touristen verirren sich selten so weit weg von der Fußgängerzone.
Vom Zaren-Bürgerhaus bis zur Klappbrücke nach Lolland – konkret, mit Adresse.
Erbaut in den 1690ern, damit das älteste Bürgerhaus der Stadt. Zar Peter der Große übernachtete 1716 hier (daher der Name). Heute beherbergt das Fachwerkhaus gleich zwei Adressen: das städtische Heimatmuseum Falsters Minder und das skurrile Museum Obscurum mit kryptozoologischer Sammlung – Vampirskelette, Baby-Drachen, Werwölfe. Eingang Færgestræde 1A.
Der Backsteinbau geht auf das franziskanische Kloster von 1419 zurück, die heutige Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgelöst; die Kirche blieb – als dreischiffige Hallenkirche mit auffälligem Dachreiter. Innen lohnen ein Blick auf das spätgotische Altarbild und die Grabsteine der Falster-Adligen.
Eröffnet 1908 als Dänemarks erstes Eisenbeton-Bauwerk – damals eine technische Sensation. 43 m hoch, 147 Stufen, Aussichtsplattform auf 32 m. Bei klarer Sicht erkennst du von oben den Guldborgsund, die Brücke nach Lolland und – Richtung Süden – die Felder Richtung Marielyst.
Genau hier stand bis ins 18. Jahrhundert Nykøbing Slot – einst das drittgrößte Schloss Dänemarks, Witwensitz von Königin Sophie (1557–1631). Vom Schloss ist heute fast nichts mehr zu sehen, dafür wurde das Areal 2015 als Slotsbryggen neu gebaut: moderne Wohnhäuser, ein Kino, Restaurants und die wiedereröffnete Tingsted Å, die hier in den Guldborgsund mündet.
Die Klappbrücke über den Guldborgsund verbindet Nykøbing (Falster) mit Sundby (Lolland). Eröffnet 1963, benannt nach dem dänischen König Frederik IX. Wenn ein größeres Segelboot durchwill, hebt sich der Mittelteil – der Autoverkehr stoppt für gut zehn Minuten. Wer auf der falschen Seite steht, hat unverhofft Zeit für ein Foto.
Hinter dem Marktplatz beginnt das Latinerkvarteret, das älteste Viertel der Stadt: schmale Gassen, gelbe und ochsenblutrote Fachwerkfassaden, in der Langgade 16–18 ein Bindingsværk-Haus von 1580. Parallel läuft die Gågade, Nykøbings nur 500 m kurze Fußgängerzone – mit Marius Mortensens Eftf., Dänemarks ältestem Wein- und Tabakgeschäft.
Die Gågade (500 m Fußgängerzone) hat die Ketten, das Latinerkvarteret die kleinen Läden. Mo–Fr bis 17:30, Sa bis 14 Uhr (Sonntags nur Bäcker offen).
Smørrebrød am Nytorv, Brunch in den Slotsbryggen-Cafés, ein guter Aperitif im Restaurant Czarens Hus. Reservierung am Wochenende empfohlen.
Parkhäuser im Zentrum sind Parkscheibe-pflichtig – die Scheibe gibt's im Touristcenter gratis. Hafen, Slotsbryggen und Wasserturm haben kostenlose Plätze, oft mit 2–3 Stunden Begrenzung.
Marielyst 15 km / 15 Min, Gedser 25 km / 25 Min, Møns Klint ~70 km / 1 Std. Bahnhof DSB und Busbahnhof liegen direkt nebeneinander.
© OpenStreetMap-Mitwirkende. Direkt am Guldborgsund, mit Klappbrücke nach Lolland.
Die Hybridfähre Rostock–Gedser braucht rund 2 Stunden; ab Gedser sind es 25 Autominuten bis ins Zentrum. Wer ohne Auto reist: ab København fährt der IC ohne Umstieg in 1:15 h direkt zum Bahnhof Nykøbing F.
Mehr zur Fährverbindung & Saison-Preisen auf der Seite Fähre Rostock–Gedser.
Bildnachweise: Hero (Klosterfløjen mit Wasserturm): Foto „Nykøbing Falster – Klosterfløjen" von Flemming Munch, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). Czarens Hus: Hubertus45, CC BY-SA 3.0. Klosterkirken: Toxophilus, CC BY-SA 4.0. Vandtårnet: Hubertus45, CC BY-SA 3.0. Slotsbryggen (auch CTA): Toxophilus, CC BY-SA 4.0. Frederik IX's Bro: Sandpiper, Public Domain. Langgade / Latinerkvarteret: Flemming Munch, CC BY 2.0. Alle Bilder via Wikimedia Commons, skaliert und in WebP konvertiert. Vollständige Übersicht: /bildnachweise.html.