Brauereien & Destillerien

Sechs Goldmedaillen für ein Pilsner aus einem 700 Jahre alten Gut, Kirschwein aus dem Noma-Keller, und Gin, der zwischen Container-Hallen am Nykøbing-Hafen destilliert wird — die handgemachten Getränke der Region sind keine Kulisse, sondern Handwerk.

Wer „Dänische Brauerei" hört, denkt zuerst an Carlsberg in Kopenhagen — das ist hier eine Welt weg. Auf Lolland-Falster gibt es stattdessen drei kleine Höfe und einen Hafenbetrieb, die genau das machen, was große Konzerne nicht können: jede Charge anders, kurze Lagerwege, ein Mensch, der dir an der Theke sagt, was er gerade ausprobiert. Das hat erstaunlich oft mit Spitzengastronomie zu tun. Der Kirschwein aus Frederiksdal steht im Noma-Keller. Das Krenkerup-Pilsner hat sechs Goldmedaillen vom World Beer Cup eingesammelt.

Wir haben die drei Adressen, die sich wirklich lohnen, mit Preisen, Anfahrt und einer ehrlichen Einordnung zusammengestellt — was im Gutsshop tatsächlich anders ist als im Supermarkt, und für wen sich der Umweg von der Fähre lohnt.

Die drei Adressen

Falster

FALSTER Destilleri & Bryghus

Stationsvej, Nykøbing Falster (ca. 25 Min. von der Fähre Gedser)

Der einzige Craft-Betrieb direkt auf Falster: Bier, Gin, Rum aus eigener Destillation. Im Tap-Room kannst du Verkostungen mit Brennmeister buchen — Führung inklusive einer Auswahl an Eigenproduktionen kostet ca. 195 DKK pro Person. Die Auswahl wechselt: ein klassisches Pilsner gibt es meistens, dazu wechselnde IPA-Editionen und einen Aquavit, den du sonst nirgends bekommst.

Verkostungen meist Do–Sa nachmittags, in der Hochsaison auch öfter. Termin am besten vorher reservieren — die kleinen Slots sind in den Ferienwochen schnell weg.
Craft Beer Gin Rum & Aquavit Verkostung 195 DKK
6× Gold

Krenkerup Bryggeri

Krenkerupvej 33, 4990 Sakskøbing, Lolland (ca. 35 Min. von der Fähre Gedser)

Eine Brauerei in einem Gut, das schon 1330 urkundlich erwähnt ist — und die ihr Pilsner sechsmal mit Gold beim World Beer Cup geholt hat. Gebraut wird mit eigenem Brunnenwasser und Hopfen aus Süddeutschland, gelagert in den alten Wirtschaftsgebäuden hinter dem Schloss. Im Bryghus-Shop bekommst du das Pilsner, das preisgekrönte Classis, ein Brown Ale und saisonale Spezialitäten — Flaschenpreis im Shop deutlich unter Supermarkt-Niveau, weil der Zwischenhandel wegfällt.

Brauereiführungen meist Sa nachmittags, etwa 90 Minuten, ca. 150 DKK pro Person inkl. Verkostung. Shop in der Saison Mo–Sa geöffnet, im Winter eingeschränkt — vorher die Website prüfen.
Pilsner Classis Brown Ale Brauereiführung Bryghus-Shop
Noma-Keller

Frederiksdal Kirsebærvin

Frederiksdalvej 70, Harpelunde, Lolland (ca. 45 Min. von der Fähre)

Seit 2006 keltert das Gut aus der dänischen Sauerkirsche Stevnsbær einen Wein, der von der Noma-Riege als Begleiter zu Desserts ausgeschenkt wird. Wer hier verkostet, schmeckt etwas, das mit Glühwein-Kirsche nichts mehr zu tun hat — getrocknete Frucht, Mandel, deutlich säurereich. Die Standard-Cuvée liegt bei ca. 145 DKK, ältere Jahrgänge wie 2010 oder 2013 etwa beim Doppelten. Im Sommer öffnet das Gut den Park; wer Glück hat, trifft auf eine offene Verkostung im Hof.

Gutsshop und Verkostung in der Saison meist Sa–So nachmittags. Im Juli/August sind manchmal Stevnsbær-Selbstpflück-Tage angesetzt — Termine über die Website. Adresse mit dem Auto unkompliziert, kein Bus.
Stevnsbær-Kirschwein Verkostung Ab ca. 145 DKK Selbstpflücken Jul/Aug.

Krenkerup — warum sechs Goldmedaillen kein Marketing-Trick sind

Flasche Krenkerup Brown Ale und das Markenglas mit dem Krenkerup-Wappen, im Hintergrund der Garten des Krenkerup-Guts auf Lolland
Krenkerup Brown Ale im Markenglas — gebraut auf dem Gut Krenkerup auf Lolland. Foto: Erik Cleves Kristensen, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Beim World Beer Cup landen jedes Jahr über 9.000 Biere aus 50 Ländern in einer Blindverkostung. Dass ein dänisches Pilsner aus einer Brauerei mit unter 30 Mitarbeitern dort sechsmal Gold geholt hat, ist keine Stempel-PR — das ist eine Aussage. Der Stil ist klassisch böhmisch: hellgolden, etwas malzlastiger als deutsche Pilsner, mit langem Bittermittelteil. Wer Bitburger oder Jever mag, wird Krenkerup Classis sofort als „verwandt, aber runder" einsortieren.

Der eigentliche Reiz vor Ort ist nicht das Bier selber — das gibt's auch im SuperBrugsen in Sakskøbing — sondern die Kombination aus dem mittelalterlichen Gut und der modernen Brauerei in den Wirtschaftsgebäuden hinter dem Schloss. Die Führung erklärt, warum hier eigenes Brunnenwasser einen Unterschied macht (sehr weich, kalkarm), und endet im Bryghus-Shop, wo du Sorten kaufen kannst, die nie über den Handel hinaus verkauft werden — saisonale Editionen, einzelne Fassreifungen, Geschenkkartons. Sechserkartons sind oft um 15–25 % günstiger als im Supermarkt.

Kleiner Tipp: Wer im Sommer Sa vormittags auf dem Wochenmarkt in Nykøbing Falster ist, findet Krenkerup-Pilsner und das Brown Ale meistens dort schon — gleicher Preis wie ab Brauerei, ohne den Weg über die Brücken nach Lolland. Wenn du nur ein paar Flaschen mitnehmen willst, ist das die Abkürzung. Für die Führung lohnt der Umweg trotzdem.

Frederiksdal — der dänische Kirschwein, der auch Spitzenrestaurants überzeugt

Stevnsbær ist eine eigene Sauerkirschen-Sorte, die in Dänemark seit dem 17. Jahrhundert angebaut wird — viel säurereicher als die Schattenmorelle, tiefrot, klein. Die meisten Bauern in Lolland kelterten daraus früher einen Hauswein für sich selbst. Frederiksdal hat das 2006 zu einem ernsthaften Produkt gemacht: nach Methoden, die eher aus dem Portwein- und Madeira-Bau kommen — mit oxidativer Reifung in alten Eichenfässern, teils mehrjährig.

Das Ergebnis schmeckt überraschend wenig nach „Kirschwein", wie man ihn von süßen Likören kennt. Junge Jahrgänge sind frisch und säuregetrieben, ältere (2010 und älter) bekommen Nussige, Karamell und eine deutliche Bitterkeitsspitze — eher in der Liga eines guten Tawny Port als eines Liebfraumilchs. Genau darum steht der Wein im Sommelier-Keller von Noma, Geranium und einer Handvoll Berliner Sternehäuser.

Im Gutsshop kannst du vier bis sechs aktuelle Tropfen verkosten, oft ist auch ein Glas eines älteren Jahrgangs offen. Die 50-cl-Standardflasche „Frederiksdal Sirius" liegt bei ca. 145 DKK; die Jahrgangsversionen wie „2013 Madeira Cask" eher bei 260–320 DKK. Direkt am Gut sparst du dir den deutschen Importzuschlag — und du bekommst Jahrgänge, die im Online-Versand seit Jahren ausverkauft sind.

Reife Stevnsbær-Sauerkirschen am Zweig — die dänische Sauerkirschen-Sorte, aus der Frederiksdal seinen Kirschwein keltert
Stevnsbær — die dänische Sauerkirsche, aus der Frederiksdal seit 2006 einen Wein keltert, der in der Spitzengastronomie ausgeschenkt wird. Foto: Nicubunu, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
Gut zu wissen: Bei der Einreise nach Deutschland gilt die EU-Reisefreigrenze — für privaten Eigenbedarf sind bis zu 90 Liter Wein zollfrei mit dem Auto erlaubt. Bei einem 15 %-Vol.-Likörwein wie Frederiksdal liegt die Grenze für „Zwischenerzeugnisse" bei 20 Litern. Konkret: ein Kofferraum voll Standardflaschen ist absolut unproblematisch.

FALSTER Bryghus — das einzige direkt auf Falster

Wer das Stichwort „Brauerei auf Falster" sucht, landet bei FALSTER Destilleri & Bryghus am Hafen von Nykøbing F. — die einzige eigene Produktion auf der Insel selbst. Der Betrieb ist deutlich kleiner als Krenkerup, dafür offener: Du kannst durch eine Glaswand in die Brennanlage schauen, und im Tap-Room sitzen oft die Brauer mit am Tisch, wenn nicht gerade Schicht ist.

Schwerpunkt liegt heute weniger auf dem Bier (das gibt es, ist aber nicht der Star) als auf den Spirituosen — Gin mit lokalem Wacholder, ein heller Rum, der sich an karibischen Rum-Vorlagen orientiert, und ein Aquavit mit Kümmel und Dill nach klassischer dänischer Rezeptur. Die geführte Verkostung kostet 195 DKK pro Person, dauert etwa eine Stunde und endet im Shop, wo du Sorten in 50- und 200-ml-Probierflaschen mitnehmen kannst.

Ehrlich gesagt: Wer in erster Linie wegen des Biers kommt, ist bei Krenkerup besser aufgehoben. FALSTER Bryghus ist der Stopp, wenn du Gin oder einen guten Aquavit als Mitbringsel suchst — und die Nähe zum Fährhafen Gedser (25 Auto-Minuten) macht es zum sinnvollen letzten Stopp auf der Rückreise.

Preise auf einen Blick

Stand 2025/26, alle Beträge in dänischen Kronen (1 € ≈ 7,46 DKK). Schwankt um ein paar Prozent je nach Saison und Edition.

Produkt Preis (ab ca.) Wo
Krenkerup Classis Pilsner (0,5 l)22 DKKBryghus-Shop
Krenkerup Brown Ale (0,5 l)30 DKKBryghus-Shop
Krenkerup-Brauereiführung inkl. Verkostung150 DKK / PersonKrenkerup, Sa nachmittags
FALSTER Verkostung inkl. Führung195 DKK / PersonNykøbing F., Hafen
FALSTER Gin (0,5 l)320 DKKBryghus-Shop
Frederiksdal Sirius (0,5 l, junger Jahrgang)145 DKKGutsshop
Frederiksdal Jahrgangs-Wein (z. B. 2013)260–320 DKKGutsshop
Stevnsbær selber pflücken (Saison Jul/Aug.)ca. 30 DKK / kgHöfe um Frederiksdal

Was die Region nicht kann

Eine ehrliche Einordnung, weil es sonst niemand sagt: Lolland-Falster ist keine Craft-Beer-Hochburg wie Kopenhagen oder Aarhus. Hier gibt es keine Bar-Reihe mit 30 Sorten am Hahn, keine drei IPA-Tasting-Events im Monat, keine wechselnden Pop-up-Brauereien. Wer das sucht, fährt eine Stunde weiter nach Kopenhagen.

Was die Region wirklich gut kann: drei klar identifizierbare Höfe, an denen du handgemachte Getränke direkt vom Hersteller bekommst — ohne Marketing, ohne Hipster-Inszenierung, ohne Aufpreis. Krenkerup ist mit Abstand der lohnendste Stopp, wenn du Bier-Interesse mitbringst. Frederiksdal ist Pflicht für alle, die mit Wein etwas anfangen können — und FALSTER Bryghus ist der kleine, lokale Stopp, der sich auf dem Rückweg zur Fähre einbauen lässt.

Und: keine der drei Adressen ist „touristisch" inszeniert. Du wirst nicht an einem Ticketstand abgefangen, und es gibt keinen Souvenirshop mit Magneten. Das ist Teil des Charmes — und der Grund, warum sich die Verkostungen wie ein Besuch in einer Werkstatt anfühlen, nicht wie ein Museumsrundgang.

Unser Favorit: Wenn du nur Zeit für eine Adresse hast, fahr nach Krenkerup. Die Kombi aus 700-Jahre-Gut, preisgekröntem Bier und einem Shop, in dem du Sorten findest, die nirgendwo sonst zu kaufen sind, ist das, was sich von einem normalen Wochenmarkt-Stopp am stärksten unterscheidet. Plus: Du kannst danach 10 Minuten weiter zum Halskov Vænge abbiegen — Bronze­zeit-Hügelgräber im Wald, kostenlos, kombiniert das schön mit einem ruhigen Nachmittag.

So planst du den Tag

Wer alle drei besuchen will, plant einen ganzen Tag — Krenkerup und Frederiksdal liegen rund 25 Auto-Minuten auseinander, FALSTER Bryghus ist eine knappe Stunde davon. Praktisch ist: morgens nach der Fähre erst nach FALSTER Bryghus in Nykøbing, dann über die Brücken nach Lolland zu Krenkerup, abends Frederiksdal — und beim Frederiksdal-Besuch nicht selber fahren. Mehr Tagesplan-Ideen findest du in unserem Beispiel-Wochenplan. Wer im Ferienhaus selber kochen will, kombiniert die Verkostungen gut mit einem Stopp an einem unserer Hofläden für Beilagen.

Bereit, das selber zu probieren?

Die Fähre Rostock–Gedser legt zweimal pro Tag in 2 Stunden an — Krenkerup ist von dort in 35 Auto-Minuten erreichbar, FALSTER Bryghus in 25.

Fähre Rostock–Gedser buchen Ferienhaus ansehen

Bildnachweise: Hero/OG-Bild: „Krenkerup ManorLolland.jpg" von Flemming Munch, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Krenkerup Brown Ale: „Krenkerup Brown Ale.jpg" von Erik Cleves Kristensen, CC BY 2.0. · Stevnsbær: „Sauerkirschen" von Nicubunu, CC BY-SA 3.0. · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.