Räucherfisch aus Buchenholz, Kirschwein, der in Pariser Sternerestaurants ausgeschenkt wird, Bier mit sechs Goldmedaillen — was die „Speisekammer Dänemarks" tatsächlich liefert.
Wenn Dänen über das Sønderlandet — die Südinseln — sprechen, fällt schnell der Ausdruck landets spisekammer: die Speisekammer des Landes. Die Böden hier sind besser als im Rest Dänemarks, das Klima milder, das Meer reicher. Etwa zwei Drittel der dänischen Zuckerrübenernte stammen von Lolland, Falster und Møn — und im Sommer reifen hier Erdbeeren, Spargel und Kirschen früher als an der Nordsee.
Für dich als Urlauber heißt das: Du musst kein Sternemenü essen, um „regional" zu kosten. Räucherei am Hafen, Hofladen am Feldrand, ein Glas Frederiksdal-Kirschwein im Restaurant — drei Adressen reichen für einen handfesten Eindruck. Was die Region wirklich produziert (und was nur in der Hochglanzbroschüre steht), sortieren wir hier.
Hering, Makrele, Aal, Lachs — über Buchenholz geräuchert, oft direkt im Hafen. Die Gedser Røgeri arbeitet seit 1972 mit der gleichen Technik.
Aus Stevnsbær — einer dänischen Sauerkirschen-Sorte. Frederiksdal auf Lolland produziert seit 2006 Wein aus diesen Kirschen, der in der Noma-Riege gelandet ist. Trocken-säuerlich, nicht süß wie deutscher Kirschlikör.
Die einzige Craft-Brauerei der Insel — Pilsner, IPA, Dunkles, dazu Gin und Rum aus der eigenen Destillerie. In Nørre Alslev nördlich von Nykøbing F.
Schloss-Brauerei bei Sakskøbing, Luxus-Lager mit insgesamt sechs Gold-Medaillen bei World Beer Awards. Etwa 25 Auto-Minuten von der Fähre Gedser.
Fejø ist eine winzige Insel in der Smålands-See — etwa 600 Einwohner, dafür über 100 Apfelsorten, viele uralt. Der Cider von Fejø Cider wird aus eigenen Streuobstäpfeln gepresst.
Lolland-Falster produziert jährlich rund 400.000 Tonnen Zucker — den Großteil der dänischen Erzeugung. Die Zuckerfabrik in Nykøbing F. (Nordic Sugar) verarbeitet in der Kampagne ab September Tag und Nacht.
Stevnsbær ist eine traditionsreiche dänische Sauerkirschen-Sorte — kleiner, tiefroter und säurereicher als unsere Schattenmorelle. Auf Lolland werden sie in Frederiksdal seit 2006 nicht eingekocht, sondern wie Wein vergoren: Maischegärung, Holzfasslagerung, einige Jahrgänge länger in der Flasche. Das Ergebnis schmeckt eher wie ein leichter, säuerlicher Roter mit Mandel- und Mandelblüten-Noten — nicht wie der süße Kirschlikör, den viele Deutsche im Kopf haben.
Praktisch heißt das: Eine Flasche Frederiksdal ist ein Mitbringsel mit Erzählwert. Im Restaurant in Nykøbing F. wird er glasweise zum Dessert serviert; ab Hof kostet eine Standardflasche ab ca. 145 DKK, ältere Jahrgänge das Doppelte. Wer es probieren will, ohne nach Lolland zu fahren: SMAG Mad & Vin und das Hotel Nørrevang haben ihn meistens auf der Karte.
Es gibt im Wesentlichen vier Wege:
Eine Sache vorab: Cash brauchst du selten. Selbst der kleinste Hofstand am Ackerrand akzeptiert MobilePay oder hat einen Kartenleser. Wer aus dem Ausland kommt, zahlt am bequemsten mit Visa/Mastercard — DKK-Bargeld lohnt fast nicht mehr.
Eine ehrliche Einordnung: Lolland-Falster ist keine Käseregion (kein Bornholm Vesterhavsost), keine Weingegend im klassischen Sinn (zu kalt für Trauben, deshalb Kirsche) und auch keine berühmte Charcuterie-Hochburg. Wer auf Sterneküche und Fine-Dining-Produkte aus ist, fährt besser nach Aarhus oder Kopenhagen. Was die Region kann: handfest, gut, ehrlich — frisch aus dem Meer, vom Feld, aus dem Räucherofen. Das passt sehr gut zum Ferienhaus-Urlaub.
Viele der hier genannten Produkte kannst du direkt vor Ort kaufen — oft günstiger und mit kurzem Schnack vom Bauer/Brauer. Unsere Hofläden-Übersicht sortiert nach Region; die Brauereien-Seite zeigt Touren und Öffnungszeiten. Im Restaurant kostet du die Produkte verarbeitet.
Die Fähre Rostock–Gedser legt direkt am Hafen an — die erste Räucherei ist drei Gehminuten entfernt.
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