Ein altes dänisches Ausflugslokal auf der Klippe über der Ostsee, versteckt in den Buchenwäldern bei Hesnæs. Kein Gourmet-Tempel, wie oft behauptet — hausgemachte Landküche zu bezahlbaren Preisen.
Pomle Nakke ist ein Traktørsted — ein klassisches dänisches Ausflugslokal, wie es sie an den schönen Küstenpunkten des Landes seit Generationen gibt. Dieses hier steht seit über hundert Jahren auf einer bewaldeten Klippe an Falsters Ostküste, etwa einen Kilometer vom kleinen Hafen Hesnæs entfernt. Vom Farø-Brücken sind es rund 30 Kilometer nach Süden.
Die Anfahrt führt durch alte Buchenwälder, dann öffnet sich der Blick auf die Ostsee. Unter der Terrasse fällt die Klippe zum Strand ab. Lauter wird es hier selten: das Rauschen der See und der Wind in den Buchen, mehr Geräuschkulisse gibt es nicht.
Viele Reiseseiten verkaufen Pomle Nakke als teuren Gourmet-Tempel. Das stimmt so nicht — und die Geschichte dahinter ist interessanter. 2020 übernahm das Team von Falsters Kyst das Lokal: Küchenchef Christoffer Brink, der bei Spitzenrestaurants wie dem Geranium (drei Michelin-Sterne) und dem Henne Kirkeby Kro gekocht hat, dazu Kim Rahbek und Thor Andersen, die einst die Sushi-Kette Sticks'n'Sushi gegründet haben.
Mit diesem Hintergrund hätte man ein Sterne-Menü erwartet. Stattdessen entschieden sie sich bewusst für das Gegenteil: ehrliche dänische Landküche, alles von Hand und aus regionalen, oft biologischen Zutaten. Brink sagte damals, sie wollten einfach „den besten hausgemachten Hühnersalat der Welt" machen — ohne aufgetürmte Teller. Zum Neustart lag das Mittags-Smørrebrød bei rund 65–75 DKK.
Die Karte ist klassisch und wechselt mit der Saison — leichte und deftige Gerichte aus Falsters Speisekammer. Fangfrischer Fisch von der Küste, Gemüse von nahen Höfen, dazu eine überschaubare Auswahl an Wein, Bier und hausgemachten Säften. Wer dänisches Smørrebrød mag, ist hier richtig: dunkles Rugbrød, gute Butter, ein sauber belegtes Stück Fisch oder Fleisch.
Terrasse hoch über der Ostsee
Zwischen Buchen der Corselitze-Wälder
Zutaten von der Küste und von Höfen der Insel
Landküche statt Sterne-Preise
So lange dient Pomle Nakke schon als Ausflugsziel. Der Name gehört zur Küste wie die Buchen — nur die Küche hat sich mit dem Neustart 2020 verjüngt.
Man kommt nicht spontan vorbei — das Lokal liegt abgelegen im Wald, ohne Bus vor der Tür. Genau das ist der Reiz. Wer einen ruhigen Nachmittag mit Meerblick sucht, fährt gern die Extrameile. Wer's schnell will, bleibt in Marielyst.
Unterhalb des Lokals lässt sich gut baden — die Klippe fällt zu einem ruhigen Strandabschnitt ab. Etwa 800 Meter weiter liegt der Hafen Hesnæs mit seinen einzigartigen strohgedeckten Häusern, einer Bäckerei, einer Konditorei und der Hesnæs Havn Spisehal. Der Hesnæs Strand ist flach und familienfreundlich.
Hinter dem Lokal beginnen die Corselitze-Wälder, durch die die Kyststien führt — für viele die schönste Wanderroute Dänemarks. Ein 4 Kilometer langer Rundweg ab Pomle Nakke verbindet Küste und Buchenwald. Angler kennen die Corselitze-Küste als ganzjähriges Meerforellen-Revier.
Die Sommersaison beginnt Anfang Juni — 2026 am 5. Juni. Außerhalb der Hauptsaison sind die Öffnungszeiten begrenzt, ruf also vorher an (Mo–Fr 8–17 Uhr, +45 5444 5131). Der beste Platz ist ein Tisch am späten Nachmittag: Dann steht die Sonne tief über der Ostsee, und der Wald hinter dir ist schon im Schatten. Reserviere am Wochenende — der Weg ist zu weit für ein „Vielleicht ist ja frei".
Von Rostock in rund zwei Stunden über die Ostsee nach Gedser — und der Rest der Insel liegt dir zu Füßen.
Bildnachweise: Steilküste Hesnæs: Foto „Hesnæs – udsigt mod syd" von Hubertus45, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Hesnæs Havn: Foto „Hesnæs Havn" von Per Palmkvist Knudsen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.