Dänemarks skurrilste Wunderkammer

Museum Obscurum

Vampirskelette, Drachen-Embryonen im Einmachglas und eine präparierte Meerjungfrau – versteckt in einem alten Kaufmannshaus mitten in Nykøbing Falster. Willkommen in Cornelius Rödders Geheimsammlung.

Ein Raum, den es nicht geben sollte

„Obscurum" ist Latein und meint das Dunkle, das Verborgene, das Ungewisse – und genau das erwartet dich in der Færgestræde 1A. Das Museum Obscurum erzählt die Geschichte des erfundenen Sammlers Cornelius S. C. Rödder. Bei einer Renovierung 2017, so die Erzählung des Hauses, stießen Mitarbeiter auf einen verborgenen Raum voller Wesen, die es eigentlich nicht geben dürfte – und auf Aufzeichnungen einer Sammlung, die Rödder zeitlebens geheim gehalten hatte. Was du siehst, ist diese wiedergefundene Sammlung.

Die Inszenierung ist liebevoll und mit viel schwarzem Humor gemacht: gedämpftes Licht, alte Vitrinen, handgeschriebene Etiketten. Jedes Exponat spielt mit derselben Frage – Fantasie oder Wirklichkeit? Wer genau hinschaut, erkennt die Handschrift alter Präparatoren, die aus Fischschwänzen und Affenkörpern „Meerjungfrauen" nähten. Genau das war schon vor Jahrhunderten das Geschäft der Wunderkammer-Betreiber.

Kupferstich von 1655: Ole Worms Kuriositätenkabinett in Kopenhagen, ein Raum voller ausgestopfter Tiere, Muscheln, Geweihe, ein Eisbär an der Decke und ein Kajak an der Wand
Das „Museum Wormianum" des Kopenhageners Ole Worm, Kupferstich von 1655 – eines der berühmtesten Kuriositätenkabinette Europas. Genau in dieser Tradition steht das Museum Obscurum. Gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die dänische Wunderkammer-Tradition

Das Museum Obscurum ist eine moderne Erfindung – aber die Idee dahinter ist uralt und ausgerechnet dänisch. Im 17. Jahrhundert führte der Kopenhagener Arzt Ole Worm eines der bekanntesten Kuriositätenkabinette Europas. Zwischen Muscheln, Geweihen und ausgestopften Tieren hing bei ihm auch ein „Einhorn". Worm bewies allerdings, dass der lange, gedrehte Stoßzahn in Wahrheit von einem Narwal stammte – ein früher Sieg der Wissenschaft über die Legende. Dieses Kippen zwischen Staunen und Skepsis ist der Kern jeder guten Wunderkammer. Das Museum Obscurum dreht den Spieß nur wieder um: Hier darfst du für eine Stunde glauben, dass es Drachen gab.

Was dich in den Vitrinen erwartet

Vampire & Werwölfe

Skelette mit Pfahl im Herzen und wolfsähnliche Überreste aus dunklen Wäldern

Drachen

Embryonen in Einmachgläsern und Eier, angeblich aus fernen Ländern mitgebracht

Meerjungfrauen

Präparierte Meereswesen unbekannter Herkunft – die Klassiker jeder Wunderkammer

Feen & Kobolde

Kleine Wesen aus der nordischen Sagenwelt, sorgfältig dokumentiert

Kleiner Tipp: Nimm dir Zeit für die Etiketten und die „Aufzeichnungen" Rödders – der Witz steckt im Detail, nicht im großen Schauwert. Das Haus ist klein, für den Rundgang reichen 45 bis 60 Minuten. Fotografieren ist meist eingeschränkt, das gehört zur geheimnisvollen Stimmung dazu. Und: Im selben Haus sitzt die Touristeninformation von Nykøbing F. – praktisch, wenn du danach noch Tipps für den Rest des Tages brauchst.

Lohnt sich der Besuch?

Ehrlich gesagt: Wer ein großes, faktenreiches Museum erwartet, ist hier falsch. Das Museum Obscurum ist ein kleines, atmosphärisches Kabinett – eher ein liebevoll gebauter Grusel-Spaß als eine Bildungsanstalt. Genau das macht es aber zu einem der eigenwilligsten Ausflugsziele der Insel. Für einen verregneten Nachmittag in Nykøbing, für neugierige Kinder ab etwa acht Jahren und für alle mit einem Faible für morbide Kuriositäten ist der kurze Weg in die Altstadt goldrichtig. Ganz kleine Kinder können sich vor manchen Exponaten erschrecken – schau vorher kurz mit ihnen, ob die Stimmung passt.

Das Museum liegt zu Fuß rund zehn Minuten vom Bahnhof entfernt, mitten im alten Kaufmannsviertel. In derselben Ecke findest du das Stadtmuseum Falsters Minder und das älteste Haus der Stadt, das Czarens Hus von 1690. Ein halber Tag Altstadt-Bummel lässt sich hier gut füllen – und wenn das Wetter nicht mitspielt, hast du gleich mehrere Schlechtwetter-Ideen in Gehweite.

So findest du hin

Praktische Infos

Adresse
Færgestræde 1A
4800 Nykøbing F.
Öffnungszeiten
Hauptsaison (ca. Ende Juni–Ende Aug.): Mo–Sa 10–17 Uhr, So geschlossen
Außerhalb reduziert, im Januar geschlossen
Aktuelle Zeiten auf museumlollandfalster.dk
Eintritt
Tagesticket am besten online lösen
Jahrespass für alle 4 Häuser von Museum Lolland-Falster ab ca. 245 DKK
Kontakt
Tel. +45 54 85 13 03
museumlollandfalster.dk
Anfahrt
Von Marielyst ca. 15 Autominuten
Vom Fährhafen Gedser ca. 25 Min.
Ca. 10 Min. zu Fuß vom Bahnhof

Mit der Fähre nach Falster

Von Rostock bringt dich die Fähre in rund zwei Stunden nach Gedser – und von dort sind es keine 25 Minuten bis in die Altstadt von Nykøbing zu Cornelius Rödders Geheimsammlung.

Fähre buchen Mehr zur Fähre

Bildnachweise: Hero & Inline-Bild: „Musei Wormiani Historia" (Kupferstich, 1655), gemeinfrei, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.