Vampirskelette, Drachen-Embryonen im Einmachglas und eine präparierte Meerjungfrau – versteckt in einem alten Kaufmannshaus mitten in Nykøbing Falster. Willkommen in Cornelius Rödders Geheimsammlung.
„Obscurum" ist Latein und meint das Dunkle, das Verborgene, das Ungewisse – und genau das erwartet dich in der Færgestræde 1A. Das Museum Obscurum erzählt die Geschichte des erfundenen Sammlers Cornelius S. C. Rödder. Bei einer Renovierung 2017, so die Erzählung des Hauses, stießen Mitarbeiter auf einen verborgenen Raum voller Wesen, die es eigentlich nicht geben dürfte – und auf Aufzeichnungen einer Sammlung, die Rödder zeitlebens geheim gehalten hatte. Was du siehst, ist diese wiedergefundene Sammlung.
Die Inszenierung ist liebevoll und mit viel schwarzem Humor gemacht: gedämpftes Licht, alte Vitrinen, handgeschriebene Etiketten. Jedes Exponat spielt mit derselben Frage – Fantasie oder Wirklichkeit? Wer genau hinschaut, erkennt die Handschrift alter Präparatoren, die aus Fischschwänzen und Affenkörpern „Meerjungfrauen" nähten. Genau das war schon vor Jahrhunderten das Geschäft der Wunderkammer-Betreiber.
Das Museum Obscurum ist eine moderne Erfindung – aber die Idee dahinter ist uralt und ausgerechnet dänisch. Im 17. Jahrhundert führte der Kopenhagener Arzt Ole Worm eines der bekanntesten Kuriositätenkabinette Europas. Zwischen Muscheln, Geweihen und ausgestopften Tieren hing bei ihm auch ein „Einhorn". Worm bewies allerdings, dass der lange, gedrehte Stoßzahn in Wahrheit von einem Narwal stammte – ein früher Sieg der Wissenschaft über die Legende. Dieses Kippen zwischen Staunen und Skepsis ist der Kern jeder guten Wunderkammer. Das Museum Obscurum dreht den Spieß nur wieder um: Hier darfst du für eine Stunde glauben, dass es Drachen gab.
Skelette mit Pfahl im Herzen und wolfsähnliche Überreste aus dunklen Wäldern
Embryonen in Einmachgläsern und Eier, angeblich aus fernen Ländern mitgebracht
Präparierte Meereswesen unbekannter Herkunft – die Klassiker jeder Wunderkammer
Kleine Wesen aus der nordischen Sagenwelt, sorgfältig dokumentiert
Ehrlich gesagt: Wer ein großes, faktenreiches Museum erwartet, ist hier falsch. Das Museum Obscurum ist ein kleines, atmosphärisches Kabinett – eher ein liebevoll gebauter Grusel-Spaß als eine Bildungsanstalt. Genau das macht es aber zu einem der eigenwilligsten Ausflugsziele der Insel. Für einen verregneten Nachmittag in Nykøbing, für neugierige Kinder ab etwa acht Jahren und für alle mit einem Faible für morbide Kuriositäten ist der kurze Weg in die Altstadt goldrichtig. Ganz kleine Kinder können sich vor manchen Exponaten erschrecken – schau vorher kurz mit ihnen, ob die Stimmung passt.
Das Museum liegt zu Fuß rund zehn Minuten vom Bahnhof entfernt, mitten im alten Kaufmannsviertel. In derselben Ecke findest du das Stadtmuseum Falsters Minder und das älteste Haus der Stadt, das Czarens Hus von 1690. Ein halber Tag Altstadt-Bummel lässt sich hier gut füllen – und wenn das Wetter nicht mitspielt, hast du gleich mehrere Schlechtwetter-Ideen in Gehweite.
Von Rostock bringt dich die Fähre in rund zwei Stunden nach Gedser – und von dort sind es keine 25 Minuten bis in die Altstadt von Nykøbing zu Cornelius Rödders Geheimsammlung.
Fähre buchen Mehr zur FähreBildnachweise: Hero & Inline-Bild: „Musei Wormiani Historia" (Kupferstich, 1655), gemeinfrei, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.