18 km unter der Ostsee, vier Fahrspuren und zwei Bahngleise — der längste Absenktunnel der Welt verbindet Fehmarn und Lolland ab voraussichtlich 2029. Was das für deine Anreise nach Falster wirklich ändert: ehrlich gerechnet.
Der Fehmarnbelttunnel löst die Scandlines-Fähre Puttgarden–Rødby ab. Statt 45 Minuten Überfahrt sind es dann rund 10 Minuten unter Wasser — ohne Wartezeit am Terminal, ohne Wetterabhängigkeit, durchgehende Autobahn von Hamburg bis Lolland.
Wichtig: Der Tunnel landet auf Lolland, nicht auf Falster. Von Rødbyhavn bis Nykøbing Falster sind es weiterhin rund 75 km Autobahn (E47) über die Frederik IX-Brücke — etwa eine knappe Stunde Fahrt. Wer aus Hamburg oder dem Westen Deutschlands anreist, spart durch den Tunnel ungefähr 30–45 Minuten gegenüber der Fähre. Aus Berlin oder Ostdeutschland bleibt die direkte Fähre Rostock–Gedser nach Gedser auf Falster trotzdem konkurrenzlos.
Solange der Tunnel nicht offen ist (und Termine in dieser Größenordnung verschieben sich erfahrungsgemäß), bleiben die zwei Scandlines-Fähren der Standardweg nach Falster: Rostock–Gedser aus Ostdeutschland, Puttgarden–Rødby aus dem Westen.
Das Projekt wird vom dänischen Staatsunternehmen Femern A/S realisiert. Aktueller Stand der Baustelle (laut offiziellen Updates):
79 Standardelemente plus 10 spezielle. Jedes Standardelement: 217 m lang, 42 m breit, etwa 73.000 t schwer. Auf dem Meeresgrund versenkt und unter Wasser miteinander verbunden — Absenktunnel-Bauweise.
Zwei Röhren mit je zwei Spuren — Verkehr fließt durchgehend in beide Richtungen, wie auf einer Autobahn. Tempolimit voraussichtlich 110 km/h.
Eine separate Röhre für elektrifizierten Zugverkehr. Soll Hamburg–Kopenhagen unter ICE-Bedingungen verbinden — Ziel: rund 2,5 Stunden ohne Fährumweg.
Fluchtwege zwischen den Röhren alle 110 m, permanente Videoüberwachung, eigener Sicherheitsraum zwischen den beiden Auto-Tunneln.
Du sparst etwa 45–75 Minuten pro Strecke — vor allem durch den Wegfall der Check-in- und Hafenzeiten. Die reine Tunneldurchfahrt selbst dauert nur 10 Minuten.
Femern A/S hat noch keine endgültigen Mautpreise veröffentlicht (Stand 2026). Die Schätzungen unten orientieren sich am vergleichbar dimensionierten Storebæltsbroen-Tarif sowie an Vorab-Statements von Femern. Erwarte keine Schnäppchen: Der Tunnel muss sich über die Maut refinanzieren, ähnlich wie es bei Storebælt mehrere Jahrzehnte braucht.
Verbindliche Preise voraussichtlich erst kurz vor Eröffnung. Online-Buchung mit BroBizz-Transponder wird mutmaßlich Rabatt geben — wie bei Storebælt heute.
Scandlines hat angekündigt, die Fähre Puttgarden–Rødby auch nach Tunneleröffnung weiterzubetreiben — zumindest zunächst. Der Tunnel wird vor allem den Lkw- und Eilverkehr ziehen, die Fähre bleibt eine günstigere Alternative mit Bord-Restaurant und Duty-Free. Wie lange das wirtschaftlich tragfähig bleibt, hängt von der Nachfrage und vom Tunneltarif ab. Die Fähre Rostock–Gedser ist nicht betroffen — sie liegt 200 km weiter östlich und bleibt für Berlin und Ostdeutschland der Standardweg.
Ursprünglich war eine Brücke geplant — wie bei der Øresundverbindung. Aus Rücksicht auf den Schiffsverkehr im Fehmarnbelt (eine der meistbefahrenen internationalen Wasserstraßen Europas) und nach jahrelangen Umweltprüfungen entschieden sich Dänemark und Deutschland für die Tunnel-Variante. Die fertigen Elemente werden in einer eigens dafür gebauten Fabrik in Rødbyhavn gegossen, ins Wasser geschleppt und auf dem vorbereiteten Meeresgrund versenkt — ein Verfahren, das sich beim Øresundtunnel und beim Hong Kong–Zhuhai–Macao-Tunnel bewährt hat.
Großprojekte dieser Größenordnung verschieben sich oft — der ursprünglich für 2028 angekündigte Eröffnungstermin liegt aktuell bei 2029. Für deine konkrete Reiseplanung Richtung 2029/2030 also kein Versprechen, sondern eine optimistische Schätzung. Die offizielle Femern-Seite hat den aktuellen Stand.
Deutsche Seite (Puttgarden, Fehmarn): direkter Anschluss an die B207/E47 Richtung Lübeck und Hamburg.
Dänische Seite (Rødbyhavn, Lolland): Anschluss an die E47 Richtung Nykøbing Falster, von dort weiter Richtung Kopenhagen oder Marielyst.
Hamburg → Kopenhagen soll mit dem Tunnel unter 3 Stunden möglich werden, statt heute rund 4:30 Std. (mit Umsteigen in Jütland, seit Ende der Vogelfluglinien-Bahnfähre 2019).
Von Nykøbing Falster erreichst du Marielyst mit Bus 740 oder dem Lokalbus — etwa 20 Min.
Stand 2026 nennt Femern A/S 2029 als Zieldatum. Ursprünglich war 2028 geplant — wie bei vielen Großprojekten gab es Verzögerungen. Eine spätere Anpassung Richtung 2030 ist nicht ausgeschlossen.
Etwa 10 Minuten mit dem Auto, 7 Minuten mit dem Zug. Plus Anfahrt zur Auf-/Abfahrt — also keine massiven Check-in-Zeiten wie bei der Fähre.
Aus Hamburg und dem Westen Deutschlands ja — ungefähr 30–45 Minuten Zeitersparnis pro Strecke gegenüber der Puttgarden-Rødby-Fähre. Aus Berlin und Ostdeutschland bleibt die direkte Fähre Rostock–Gedser nach Gedser auf Falster trotzdem die schnellere Wahl, weil der Tunnel auf Lolland landet und du dann noch 75 km Autobahn vor dir hast.
Offiziell noch nicht festgelegt. Realistische Schätzung in der Größenordnung der Storebæltsbroen: PKW ca. 35–45 €, Wohnmobile entsprechend mehr. Verbindliche Tarife kommen erst nahe der Eröffnung.
Scandlines plant aktuell, die Fähre weiterzubetreiben — als günstigere Alternative mit Bord-Erlebnis. Wie lange das wirtschaftlich tragfähig ist, hängt vom Tunneltarif und der Nachfrage ab. Die Bahnfähre wurde bereits 2019 eingestellt.
Ja — die Rostock-Gedser-Verbindung ist vom Tunnel nicht betroffen. Sie liegt 200 km östlich und bedient eine andere Zielgruppe (Berlin/Ostdeutschland). Scandlines fährt die Strecke seit 1886 — die älteste deutsche Fährverbindung nach Skandinavien.
Der Tunnel kommt frühestens 2029. Für deine Reise dieses und nächstes Jahr ist die Fähre Rostock–Gedser der schnellste Weg nach Falster — direkt auf die Insel, zwei Stunden Überfahrt, bis zu 12 Abfahrten täglich.
Bildnachweis: Feature-/Hero-Foto: „2022-02-11 Fehmarn Belt Fixed Link Construction Side Germany" von Fabian Horst, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.