Zwei Etappen, flaches Terrain (höchster Punkt: 44 m), der südlichste Zipfel Skandinaviens und auf dem Rückweg ein Wald, in dem dir Wildpferde begegnen. Wir zeigen dir die Etappen — und wo du sinnvoll übernachtest.
Falster Rundt ist die komplette Außenlinie der Insel — 142 Kilometer Sandstrand, Steilküste, Wald und Wattwiese, in zwei Tagen machbar. Was die Strecke trägt: Der höchste Punkt Falsters liegt bei 44 Metern. Sieben Tageskilometer pro Stunde sind locker drin, ohne dass dir am zweiten Tag die Oberschenkel weh tun. In Süddänemark gibt es kaum eine Tour, bei der du so viele verschiedene Landschaften an einem Wochenende unter den Reifen hast.
Wir fahren die klassische Aufteilung gegen den Uhrzeigersinn: Tag 1 zieht von Nykøbing über die Ostküste mit den langen Stränden nach Gedser ganz im Süden, dann die Westseite hoch nach Stubbekøbing. Tag 2 bringt dich von dort durch die Corselitze-Wälder zurück. Die Variante gegen den Uhrzeigersinn hat einen handfesten Grund: Der Westwind, der in der Saison aus Nord-West kommt, schiebt dich am zweiten Tag eher, statt am ersten zu bremsen.
Wenn du mit der Fähre aus Rostock ankommst, startest du nicht in Nykøbing, sondern direkt in Gedser. Spar dir die 23 km Anreise zur Inselhauptstadt am Morgen — du beginnst stattdessen mit Gedser Odde im Süden und endest Tag 1 in Stubbekøbing. Die Etappenlängen bleiben praktisch gleich, du gewinnst aber eine entspannte Mittagspause.
Aus Nykøbing geht's auf dem Marienlyster Strandvej Richtung Süden — die ersten 14 Kilometer rollen, weil der Radweg bis Marielyst durchgehend asphaltiert und stadtnah gepflegt ist. In Marielyst lohnt der kleine Schlenker an den Strand: 20 km feiner Sand mit Salzgehalt 8,53 ‰ (deutlich weicher als Nordsee) — gut für eine schnelle Erfrischung der Waden. Weiter über Bøtø, Marrebæk und Skelby nach Gedesby, vorbei an der historischen Bockwindmühle aus dem 18. Jahrhundert.
Südspitze: Gedser Odde — der südlichste Punkt Skandinaviens. Wer im Frühjahr fährt, sieht hier den Vogelzug: An Spitzentagen ziehen bis zu 130.000 Eiderenten am Kap vorbei. Danach geht's um die Inselspitze und an der ruhigeren Westküste am Guldborgsund hinauf — die Verkehrsdichte sinkt spürbar. Über Nykøbing F. (wo du auch übernachten könntest) hinaus weiter nach Stubbekøbing, ein Hafenstädtchen mit Kaufmannshäusern aus dem 18. Jahrhundert.
Frühstück im Hafen, dann an der Nordküste entlang nach Hesnæs — das Dorf ist wegen der strohgedeckten Reethäuser bekannt, ein kurzer Stop für ein Foto lohnt. Direkt dahinter beginnt der lange Waldteil der Strecke: die Corselitze-Wälder, Privatbesitz, mit Parkcharakter und der Valdemarseiche — Dänemarks größtem Baum, geschätzte 600 Jahre alt. Mittags ein Tisch bei Pomle Nakke (Gourmetküche mit Meerblick) — der Klassiker für Falster-Rundt- Radler.
Nachmittags durch die Felder südlich von Eskilstrup und über die Ostseite zurück. Wer noch Zeit und Beine hat, schiebt einen Abstecher durch Bøtøskoven ein: Hier leben Konik-Wildpferde und Schottische Hochlandrinder frei. Ankunft Nykøbing am späten Nachmittag.
20 km feiner Sand, Salzgehalt 8,53 ‰, im Sommer vorne raus voll, am Rand schnell ruhig. Tag 1, km 14.
Südlichster Punkt Skandinaviens, Vogelzug-Hotspot, kurzer Aufstieg zum Leuchtturm Gedser Fyr (1802). Tag 1, km ~35.
Hafenstädtchen mit Kaufmannshäusern aus dem 18. Jh. Sehenswert: Danmarks Motorcykelmuseum, größte Sammlung Nordeuropas. Tag 1, Ziel.
Strohgedeckte Reethäuser, ehemaliges Reederdorf — eine der fotogensten Ortschaften der Insel. Tag 2, km ~10.
Privater Englischer Landschaftspark, dichter Buchenwald an der Küste, „Valdemarseiche" (Dänemarks größter Baum, ~600 J.). Tag 2, km ~15–30.
Frei lebende Konik-Wildpferde und Schottische Hochlandrinder, dazu der Karmingimpel als Brutvogel. Optionaler Abstecher Tag 2, ca. 8 km extra.
Erste Wahl ist Stubbekøbing — der Ort liegt genau richtig im Streckenverlauf, hat ein paar B&B-Adressen am Hafen und mit Stubbekøbing Camping einen Stellplatz 800 Meter vom Wasser. Alternativen, wenn dort alles ausgebucht ist:
In der Hochsaison (Juli/August) Übernachtung mindestens zwei Wochen vorher buchen — Stubbekøbing hat insgesamt weniger als 50 Betten in Hotellerie/B&B, das ist schnell weg.
Mai bis September. Unser Favorit ist Anfang Juni oder Anfang September: Tage lang genug, Verkehr deutlich entspannter als in den Sommerferien, und in den Restaurants kommst du ohne Reservierung durch. Im Frühjahr (April/Mai) gibt's auf Gedser Odde den Vogelzug gratis dazu — wenn du Fernglas mitführst, lohnt der längere Stop dort sehr.
Falster Rundt ist nicht die spektakulärste Radtour Dänemarks — dafür ist die Insel zu flach und die Aussicht zu unaufgeregt. Wer Höhenmeter, Cliffs oder eine Rundtour über Inselgruppen sucht, ist auf Møn (Møns Klint) oder im Ærø-Archipel besser aufgehoben. Wer dagegen eine entspannte Wochenendrunde mit Strand, Wald, einem wirklich südlichen Kap und einem guten Gourmet-Stop sucht, ohne sich Bergetappen anzutun — bist du hier richtig. Für Familien mit älteren Kindern (ab ~12) eine gut machbare Erst-Mehrtagestour.
Erfahrene Radler mit Grundkondition. 70 km pro Tag sind auf dem flachen Terrain gut machbar, auch mit Gepäck. Kein E-Bike nötig — aber bequem.
Hochsaison: 2 Wochen Vorlauf einplanen. Stubbekøbing Camping (800 m zum Hafen) als Backup.
„Naturlandet Lolland-Falster" (kostenlos, auf Deutsch) zeigt die Route mit POI offline an. Bei Funklöchern auf dem Land Gold wert.
Die Scandlines-Fähre Rostock–Gedser bringt dich (und dein Rad) in rund 2 Stunden direkt an den Startpunkt. Bis zu zehn Abfahrten am Tag, die Hybridfähren „Copenhagen" und „Berlin" nehmen Fahrräder ohne Reservierung mit.
Fähre Rostock–Gedser buchenFalster Rundt zu lang? Die Sundruten geht auf 44 km um den Guldborgsund, „Det sydligste Danmark" führt auf 34 km von Marielyst zu den Wildpferden. Oder die Fernroute Berlin–Kopenhagen mit 64 km auf Falster.