Virketvolden

5 Kilometer durch einen seit 2024 als Urwald ausgewiesenen Wald — entlang einer 1.300 Meter langen Wallanlage, die rund 400 Jahre älter ist als die ersten Wikinger. Falsters bekanntester Ort, den fast keine Reiseseite richtig erklärt.

5 km
Rundweg
1,5–2 h
Reine Gehzeit
Leicht
Schwierigkeit
1.300 m
Wallanlage
536 ha
Waldfläche
Hannenov-Wald, nordwestlich von Nykøbing

Eisenzeit, nicht Wikingerzeit

Auf vielen Tafeln und in Wanderführern wirst du lesen, dass du hier „auf den Spuren der Wikinger" gehst. Das ist falsch — und es lohnt sich, das einmal in den richtigen Kontext zu setzen. Falsters Virke, der 1.300 Meter lange Erdwall mit Graben, stammt aus der späten Eisenzeit, geschätzt zwischen 400 und 850 nach Christus. Die Wikingerzeit beginnt nach gängiger Datierung um 800. Heißt: Als der Wall hier angelegt wurde, lag das, was wir heute „Wikinger" nennen, noch hundert bis vierhundert Jahre in der Zukunft.

Wer den Wall gebaut hat und gegen wen, ist nicht eindeutig geklärt. Die Anlage gehört zu den größten ihrer Art in Dänemark und sollte offensichtlich den Zugang zur Insel kontrollieren. Aus derselben Zeit stammt der Goldene Halsring von Falster — ein Fund aus dem 5. Jahrhundert, der heute im Nationalmuseum in Kopenhagen liegt. Beides zusammen ergibt ein Bild: Falster war in der Eisenzeit ein Ort, an dem es etwas zu schützen gab.

Herbstlicher Mischwald im Hannenov-Skov mit Eichen, Buchen und einer dicken Laubschicht am Boden — typisches Bild der seit 2024 als Urwald ausgewiesenen Fläche.
Hannenov-Skov im Herbst — der 536 Hektar große Wald wurde 2024 zusammen mit Ovstrup als dänischer Urwald (Naturskov) ausgewiesen. Foto: Elgaard — CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert).
Falsters Virke — die Eckdaten

Länge: 1.300 Meter Erdwall mit vorgelagertem Graben.

Datierung: späte Eisenzeit, ca. 400–850 n. Chr. — also vorwikingerzeitlich.

Funktion: Zugangskontrolle zur Insel Falster, über eine schmale Engstelle in der damaligen Landschaft.

Größenklasse: eine der größten erhaltenen Befestigungsanlagen Dänemarks.

Die Route — Schritt für Schritt

Startpunkt ist der Parkplatz am Hannenov Skovløbersted, dem ehemaligen Forsthaus. Von Nykøbing F. fährst du etwa 8 Kilometer nach Nordwesten über die Hannesgårdsvej. Der Rundweg ist seit der offiziellen Einweihung 2024 sauber beschildert — gelbe Markierungen auf weißem Grund, im Halbminutentakt am Baum.

Die erste halbe Stunde geht es auf einem festen Forstweg leicht bergauf in den Wald hinein. Hier siehst du schon die ersten der sogenannten Sparekasse-Eichen — Stieleichen, die teilweise 300 Jahre und älter sind. Den Spitznamen tragen sie, weil sie früher als „Sparbüchse" für Bauholz gedacht waren, das nie geschlagen wurde. Seit 2024 dürfen sie das offiziell auch nicht mehr: Hannenov und das benachbarte Ovstrup zusammen sind als Naturskov ausgewiesen, also als Urwald ohne Holznutzung.

Nach gut einem Kilometer triffst du den Wall zum ersten Mal. Er ist nicht spektakulär hoch — heute meist nur ein bis zwei Meter — aber er zieht sich erkennbar durch den Wald, parallel zum Pfad. Auf den Informationstafeln entlang der Strecke wird die Datierung erklärt; die Tafeln sind zweisprachig (Dänisch/Englisch), die deutsche Übersetzung fehlt leider.

Etwa nach Kilometer 3 schließt sich die Schleife: Der Weg führt durch einen offeneren Buchenbestand zurück Richtung Parkplatz. Wer Glück hat, sieht hier Damwild — im Hannenov leben einige seltene weiße Tiere, eine genetische Variante, die in dänischen Wäldern selten geworden ist. Sie zeigen sich am ehesten in der Dämmerung und vor allem weiter abseits der Hauptwege.

Kleiner Tipp: Wenn du den Goldenen Halsring sehen willst, der zur selben Epoche gehört wie der Wall hier — er liegt nicht in Nykøbing, sondern im Nationalmuseet in Kopenhagen. Wer eh über Gedser anreist, kombiniert das gut: Fähre, eine Nacht Kopenhagen, dann zurück nach Falster zum Wandern.

Wann es sich am meisten lohnt

Frühjahr (April/Mai): bevor die Buchen voll im Laub stehen, kommt am meisten Licht auf den Waldboden. Buschwindröschen, Anemonen, Hohler Lerchensporn — typische Frühblüher dänischer Laubwälder. Das ist die schönste Zeit für den Wall, weil du seine Struktur durch den noch lichten Bewuchs am besten erkennst.

Herbst (Oktober): Buchen- und Eichenlaub in voller Färbung, der Wald riecht erdig-süß. Etwas weniger Sicht auf den Wall selbst, dafür der atmosphärisch dichteste Spaziergang. Festes Schuhwerk hilft — der Boden ist nach Regen lehmig.

Hochsommer: ehrlich gesagt nicht die beste Zeit. Der Wall verschwindet im Unterwuchs, und Mücken im schattigen Hannenov sind kein Spaß. Wer im Juli/August hier ist, sollte den Weg früh morgens oder am späten Nachmittag laufen.

Übernachten im Wald

Im Hannenov stehen kostenlose Shelters — einfache Holzunterstände mit drei Wänden und Dach, dazu Feuerstelle und Trockentoilette. Die Buchung läuft über die offizielle dänische Naturplattform udinaturen.dk, ist kostenlos und für maximal zwei Nächte am Stück möglich. Im Sommer sind die Plätze schnell weg — wer ein Wochenende plant, bucht zwei, drei Wochen vorher.

Zusätzlich gibt es im Wald mehrere offene Feuerstellen und einen ausgewiesenen Zeltplatz für ein bis zwei Nächte (frei nutzbar). Die Regeln stehen am Eingang des Waldes auf einer großen Tafel — kurz durchlesen reicht.

Anfahrt

Parkplatz Hannenov Skovløbersted, Hannesgårdsvej. Ca. 8 km nordwestlich von Nykøbing F., 12 Auto-Minuten. Mit der Fähre Rostock–Gedser bis hierhin: rund 45 Minuten ab Gedser-Terminal.

Shelters & Zelt

Kostenlos, max. 2 Nächte. Buchung über udinaturen.dk. Im Hochsommer früh reservieren.

Naturskov seit 2024

Hannenov + Ovstrup = 536 ha Urwald. Natura 2000, keine Holznutzung mehr — die alten Eichen dürfen stehenbleiben.

Wanderweg seit 2024

Markierter 5-km-Rundweg, im Frühjahr 2024 von Königin Mary eingeweiht. Tafeln auf Dänisch und Englisch.

Lage

Wo der Wall liegt

Der Hannenov-Wald liegt nordwestlich von Nykøbing Falster, zwischen den Orten Eskilstrup und Tingsted. Der Wall selbst zieht sich quer durch den südlichen Teil des Waldes — die Schleife des Wanderwegs umrundet ihn einmal komplett.

Die Karte zeigt die ungefähre Lage des Parkplatzes am Skovløbersted. Wer mit dem Rad anreist, kommt über die Naturlandet-Runde auf einer ruhigen Nebenstrecke hier vorbei.

Bereit für Falster?

Die Fähre Rostock–Gedser bringt dich in zwei Stunden über die Ostsee. Bis zum Parkplatz am Hannenov sind es ab Terminal noch 45 Auto-Minuten.

Fähre buchen

Bildnachweise: Hero und Foto Hannenov-Skov: „Hannenov Hundeskov" von Elgaard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.