Wer mit der Fähre in Gedser ankommt und auf die E55 Richtung Norden
abbiegt, hat Gedesby drei Kilometer später schon hinter sich – wenn
er nicht aufpasst. Der Abzweig führt nach Osten weg von der
Schnellstraße, durch flaches Land mit Weizenfeldern, und endet vor
der weißen Dorfkirche. Sechs Straßen, ein Dorfteich, eine
Holländer-Mühle. Das ist Gedesby – und das reicht für einen halben
Tag voll von Dingen, die woanders unter „nichts los" laufen würden.
Im Mittelpunkt steht die Gedesby Mølle, eine schwarze
Holländer-Windmühle von 1911. Sie thront mit weiß gestrichener Galerie
über den Feldern, dahinter das rote Dannebrog auf einem Fahnenmast,
davor strohgedeckte Häuser. Das Postkartenmotiv des Südens – aber
keins, das vom Tourismus gemacht wurde. Die Mühle steht dort,
weil sie immer dort stand.
Dazu die Gedesby Kirke, gut hundert Meter weiter östlich –
weiß getüncht, mit Treppengiebel und einem schiefergrauen
Turmhelm. Das Gadekær, der historische Dorfteich, liegt
direkt davor mit einem kleinen Springbrunnen und zwei
Picknickbänken. Und am Strand südwestlich davon kommt man bei
Auflandstürmen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht ohne ein
Stück Bernstein zurück.