Du rollst von der Fähre — und bist auf der Nationalroute 9. 64 Kilometer Falster, fünf Etappen, höchster Punkt 44 Meter (Bavnehøj im Norden). Vom südlichsten Punkt Skandinaviens bis zu den Farø-Brücken Richtung Kopenhagen.
Die Nationalroute 9 verbindet Berlin und Kopenhagen auf insgesamt rund 630 km — und parallel dazu trägt der Abschnitt durch Gedser auch das Schild der EuroVelo-Route 7 (Nordkap–Malta). Falster ist dabei das erste Stück Dänemark, das du nach der zweistündigen Scandlines-Überfahrt erreichst. Die 64 km auf der Insel sind komplett flach — Bavnehøj im Norden ist mit 44 Metern Falsters höchste Erhebung, und über die radelst du gar nicht.
Eingeweiht wurde der Radweg 2001. Auf Falster fährst du auf einer Mischung aus asphaltierten Radwegen, ruhigen Landstraßen und gut befestigten Schotterwegen — alles mit normalem Tourenrad problemlos. Die Beschilderung mit dem blauen „9" ist durchgängig; in mehr als 25 Jahren hat sich das System eingespielt, und du brauchst die Karte nur, wenn du absichtlich einen Abstecher machst.
Start direkt am Fährterminal Gedser. Die ersten Kilometer führen durch die Kleinstadt am Wasserturm vorbei und an der Gedser Remise, einem Eisenbahnmuseum in einem historischen Lokschuppen. Der Weg verläuft parallel zur Hauptstraße und biegt in ruhige Landstraßen Richtung Gedesby ab. Kleiner Tipp: Bevor du losradelst, lohnt sich ein 2-km-Abstecher zum Gedser Odde — dem südlichsten Punkt Skandinaviens. Im Frühjahr ziehen hier an einem einzigen Tag bis zu 130.000 Eiderenten vorbei. Mehr dazu auf der Seite zu Gedser.
Eine der naturreichsten Etappen. Am Bøtø Nor liegt ein 226 Hektar großes, renaturiertes Feuchtgebiet mit Beobachtungstürmen — von hier siehst du Wasservögel auf den Flachwasserzonen. Im angrenzenden Bøtøskoven (153 ha, im Besitz der Den Danske Naturfond) grasen Konik-Wildpferde und Schottische Hochlandrinder ganzjährig frei — sie halten die Lichtungen offen statt eines Mähtraktors. Der Wald ist frei zugänglich; Hunde an die Leine wegen der Rinder. Bade-Option: Vom Radweg sind es nur 1,5 km bis zum Marielyst Strand.
Die längste Einzeletappe führt durch landwirtschaftliches Herzland: Rapsfelder (Mai/Juni ein Postkartenmotiv), Obstplantagen, alte Gutshöfe. In Nykøbing Falster — der Hauptstadt der Insel mit knapp 20.000 Einwohnern — lohnt sich ein längerer Stopp. Das Middelaldercentret am Hamborgskoven (Erw. ab ca. 189 DKK) ist ein experimentelles Freilichtmuseum zum Jahr 1400, inkl. der weltgrößten funktionierenden Blide (Trebuchet). In der Altstadt: Czarens Hus, wo Zar Peter der Große 1716 übernachtete, und die Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert.
Diese Etappe verläuft am Guldborgsund entlang mit ständigem Blick auf die Nachbarinsel Lolland. Kleine Fischerdörfer, dann der Hesnæs Hafen — der Ort ist berühmt für seine strohgedeckten Häuser, die in Dänemark einzigartig sind und ein eigenes architektonisches Erbe darstellen. Im Sommer verkauft die Hesnæs Havn Spisehal frisch geräucherten Fisch direkt am Steg. In Stubbekøbing lohnt das Danmarks Motorrad Museum (größte Motorradsammlung Nordeuropas). Bis 1984 fuhr von hier die Fähre nach Bogø — heute zur Brücke verschoben, der alte Hafen ist trotzdem schön gealtert.
Letzter Abschnitt auf Falster. Flaches Weideland, dann die Brücke. Die Farø-Brücken von 1985 überspannen das Storstrømmen über die kleine Insel Farø — und du rollst über eine Konstruktion, die zur Eröffnung als technische Meisterleistung galt. Auf Farø liegt ein kleiner Rastplatz mit Picknicktischen, gut für eine Pause vor den nächsten 100 km nach Kopenhagen über Seeland.
Mai bis September ist die saubere Antwort. Im Hochsommer (Juli/August) sind die Tage am längsten und die Fährfrequenz am höchsten — dafür musst du das Rad eher früh reservieren. Der Frühsommer (Mai/Juni) bringt blühende Rapsfelder und angenehme 18–22 °C. Im September ist es leerer, das Licht weicher, und in Bøtøskoven beginnt die Brunft der Damhirsche.
Ehrlich gesagt: Sehr exponierte Westwinde sind das eigentliche Thema, nicht die Hitze. Falster ist flach — kein Berg bremst den Wind. Plane bei starker West-Lage einen halben Tag mehr ein, oder dreh die Route um (von Farø nach Gedser) und nimm den Rückenwind mit.
Etwa 70 % asphaltierte Radwege, 20 % ruhige Landstraßen, 10 % gut befestigte Schotterwege. Mit Trekking- oder Tourenrad fährst du komfortabel, mit Gravel sowieso. Echte Rennradreifen (23–25 mm) sind auf den Schotterabschnitten unentspannt — nimm lieber 28 mm aufwärts oder bleib bei den parallelen Landstraßen, die fast überall daneben liegen.
Wer die 64 km auf zwei Tage strecken will, übernachtet idealerweise in Nykøbing F. — das ist nach knapp 40 km die natürliche Halbzeit, und die Stadt liefert genug Programm für einen Abend.
Wer Falster nicht nur durchqueren, sondern erkunden will: die Insel hat noch mehr Routen, die alle an der Nationalroute 9 anknüpfen.
Lade den GPX-Track für dein Navi runter oder nutze die kostenlose App „Naturlandet Lolland-Falster" mit Offline-Navigation.
GPX downloadenDie Scandlines-Hybridfähre („Copenhagen" / „Berlin") bringt dich mit Rad in rund 2 Stunden von Rostock nach Gedser. Check-in als Radfahrer 30 Minuten vorher reicht.
Fähre buchenBeliebte Etappenstopps: Marielyst (Camping + B&B), Nykøbing F. (Hotels) oder Stubbekøbing (Hafen-Camping). Idestrup liegt direkt an der Route.
Alle UnterkünfteVerleih und Werkstatt: Larsson-Bikes (mehrere Standorte, larsson-bike.com), Mærk Outdoor in Marielyst (+45 2334 3555). Luftpumpen stehen an etlichen Rastplätzen.
Westwind ist auf der flachen Insel der wahre Höhenmeter. Wetter & beste Reisezeit — danach planen, nicht nach der Kilometerzahl.
Rostock–Gedser dauert zwei Stunden Fähre. Danach folgst du dem blauen „9"-Schild — und kannst spätestens bei den Farø-Brücken sagen, dass du auf eigener Achse von Berlin nach Kopenhagen gerollt bist.