Flach, zwei Klappbrücken, beide Inseln in einer Tagesschleife: Die Sundruten ist die handlichste der Falster-Radrouten. Wir sagen dir, wo sie sich lohnt, wo sie sich zieht — und wie du sie mit Kindern hinkriegst, ohne dass am Ende alle weinen.
Die Sundruten ist die einzige nennenswerte Radtour auf Falster, die zwischen Falster und Lolland hin- und herwechselt — und das gleich zweimal an einem Tag. Start und Ziel ist Nykøbing F. Du fährst einmal rund um den Guldborgsund, die brackige Meerenge, die die beiden Inseln trennt. Höchster Punkt auf Falster ist gerade mal 44 m — auf der Sundruten erlebst du davon nichts. Die Strecke ist quasi flach.
Was die Tour besonders macht: zwei sehr unterschiedliche Klappbrücken. Im Süden überquerst du die Kong Frederik IX's Bro aus dem Jahr 1963 — der Hauptverkehrsadler zwischen den Inseln, Vorsicht bei aufgeklapptem Bauwerk: Wenn ein Frachter durchwill, stehst du fünf bis zehn Minuten und wartest. Im Norden die kleine Guldborgbro bei Guldborg, eine Klappbrücke aus 1934, deutlich ruhiger, dörflicher Charakter, oft mit ein paar Anglern am Brückenkopf.
Wir sind ehrlich: Die Sundruten ist nicht die spektakulärste Radtour auf Falster. Wer Steilküste, Wildpferde und Vogelzug sucht, ist auf der Falster Rundt (142 km) oder der südlichen Østersøruten besser aufgehoben. Was die Sundruten wirklich kann:
Du bist Wiedereinsteiger, eure Kinder haben das erste richtige Rad, ihr habt ein E-Bike geliehen — perfekte Strecke zum Reinkommen. Flach, gut beschildert, immer in Zivilisationsnähe.
Beide Sund-Ufer sind dicht am Wasser geführt. Etwa die Hälfte der Strecke siehst du den Guldborgsund — das ist mehr Wasserblick als auf Falster Rundt, wo viele Etappen im Hinterland verlaufen.
Die Lolland-Seite läuft viel durch Felder und Höfe. Wenn du auf jeder Tour „wow"-Momente brauchst, bist du auf der südlichen Falster-Küste besser aufgehoben — Bøtøskoven mit Wildpferden, Hesnæs mit den strohgedeckten Reederhäusern.
Für eine entspannte Familientour mit Grundschulkindern sind die kompletten 44 km zu lang. Mit Pausen kommst du auf 6–7 Stunden — das wird zäh. Die Halb-Loop-Strategie weiter unten ist hier die Lösung.
Wir empfehlen, gegen den Uhrzeigersinn zu fahren: von Nykøbing F. erst nach Norden auf der Falster-Seite, Brücke bei Guldborg, dann auf der Lolland-Seite zurück. Warum? Auf Falster fährst du im Schatten der Vormittagssonne, auf Lolland hast du sie nachmittags im Rücken. Und der typische Westwind drückt dich auf dem Lolland-Rückweg eher voran als er dich auf der Falster-Hinfahrt bremst.
Start am Slotsbryggen in Nykøbing F. — der Uferpromenade gegenüber des Sunds. Folge der Beschilderung der nationalen Cykelrute 39 nach Norden. Du fährst durch Wohngebiete, dann ländlich, immer wieder mit Sundblick. Unterwegs passierst du den Falster Golfklub-Abzweig (Eskilstrup ist nicht weit) und mehrere kleine Anleger.
Die Guldborgbro (1934) ist eine schmale Klappbrücke mit Holzbohlen-Charakter. Wenn ein Segler durchwill, geht sie hoch — und das ist hier eher Spektakel als Hindernis (selten viel Verkehr). Auf der Lolland-Seite landest du im Dorf Guldborg.
Sakskøbing liegt nicht direkt an der Sundruten, sondern ein paar Kilometer landeinwärts. Der Abstecher lohnt sich für den Wasserturm „Saksine" mit dem aufgemalten Smiley-Gesicht — eine der absurdesten dänischen Sehenswürdigkeiten und Sakskøbings Markenzeichen. Bäcker und Supermarkt für den Mittagsstopp sind direkt am Marktplatz.
Auf der Lolland-Seite des Sunds geht es Richtung Süden zurück, parallel zur E47 (aber abseits davon auf Radwegen und Nebenstraßen). Landwirtschaftliche Landschaft, gelegentlich öffnet sich der Blick auf den Sund. Bei Toreby und Sundby wird es dichter besiedelt, dann führt die Route auf die Frederik-IX-Brücke — und zurück nach Nykøbing F.
Die zweite Brücke des Tages, deutlich größer und voller. Auf dem Geh- und Radweg gut zu fahren. Achtung: Geht die Bascule hoch, kannst du fünf bis zehn Minuten warten — der dänische Brückenwärter macht das sehr entspannt. Nimm es als Pause mit Aussicht.
Mit Kindern ab Grundschulalter ist die volle Schleife oft zu lang. Drei funktionierende Varianten:
1. Bargeld oder MobilePay für den Bäcker in Sakskøbing — Kartenzahlung klappt fast immer, aber nicht überall. 2. Wasser auffüllen in Nykøbing F. (Slotsbryggen Toiletten) oder Sakskøbing — unterwegs ist wenig. 3. Wind-Check vorher: bei kräftigem Ostwind die Route im Uhrzeigersinn drehen, dann hast du den Rückenwind auf Lolland. 4. Flickzeug mit — selten was zu reparieren, aber die Etappen abseits der Orte sind lang. 5. Brückenzeiten: An Tagen mit hohem Bootsverkehr (Sommerferien, schönes Wetter) plane 10–15 Min Bridge-Wartepuffer ein. 6. Sonnencreme: Schatten gibt es auf der Sundruten kaum — nur auf dem Sakskøbing-Abstecher.
Karte: OpenStreetMap-Mitwirkende, CyclOSM-Layer. Den GPX-Track der Sundruten gibt's auf unserer GPX-Download-Seite und in der App „Naturlandet Lolland-Falster".
Konkret und ehrlich — was wirklich offen ist:
Wenn du mit der Scandlines-Fähre Rostock–Gedser nach Falster kommst, bist du in Gedser. Von dort sind es per Rad rund 50 km Richtung Norden bis Nykøbing F. (über die nationale Cykelrute 9). Wer die Sundruten als Tagestour fahren will, übernachtet besser in Nykøbing F. oder Marielyst — und plant die An- und Abreise als eigene Etappe.
Die Scandlines-Hybridfähren Copenhagen und Berlin zwischen Rostock und Gedser nehmen Räder mit. Überfahrt knapp 2 Stunden, 10–12 Abfahrten täglich. Eine einfache Fahrt ohne Auto kostet ab ca. 51–54 €.
Fähre buchen (Scandlines)Praktisch keine. Falsters höchster Punkt liegt bei 44 m, davon merkst du auf dieser Strecke nichts. Insgesamt kommst du auf rund 30 Höhenmeter über 44 km — das ist Pancake-Niveau, auch ohne E-Bike machbar.
Nein, aber es macht die Tour familientauglich. 44 km flach sind für geübte Erwachsene mit Tourenrad gut zu schaffen. Mit Kindern oder bei kräftigem Westwind macht ein E-Bike den Unterschied zwischen „schöner Tag" und „nie wieder". Verleih findest du hier.
An normalen Tagen selten — beide Brücken klappen nur, wenn ein Boot mit hohen Masten durchwill. An schönen Sommer-Wochenenden kann es vorkommen. Wartezeit dann fünf bis zehn Minuten. Auf der Frederik-IX-Brücke gibt's Aussicht, auf der Guldborgbro Räucherfisch — beide Pausen sind aushaltbar.
Saksine — so heißt das aufgemalte Gesicht — sitzt auf dem alten Wasserturm der Stadt. Sakskøbing liegt etwa 2,5 km abseits der eigentlichen Sundruten, der Abstecher ist gut beschildert. Plan eine halbe Stunde plus Bäcker- oder Café-Pause ein.
Mitte Mai bis Anfang Oktober. Im Mai blüht der Raps auf der Lolland-Seite — das macht die optisch eher ruhige Strecke gelb-leuchtend. Hauptsaison Juli/August bedeutet warmes Wasser, aber auch volle Brücken-Wartezeiten. September ist unser Favorit: weniger Wind, kühlere Luft, leere Café-Terrassen. Wassertemperatur im Sommerschnitt 17,3 °C, falls jemand am Sund ein Bad nimmt.
Ja, unter GPX-Downloads bei uns. Außerdem ist die Route in der App „Naturlandet Lolland-Falster" und in Komoot als Vorschlag hinterlegt.
Die Scandlines-Fähre zwischen Rostock und Gedser nimmt Räder mit. Knapp 2 Stunden Überfahrt, 10–12 Abfahrten täglich, ab ca. 51–54 € ohne Auto. Direkt vom Fähranleger bist du auf der nationalen Cykelrute 9 — Richtung Nykøbing F. zur Sundruten.
Bildnachweise: Hero/OG: „Frederick bridge bascules raised" von Sandpiper, gemeinfrei (Public Domain) via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Inline-Foto Sakskøbing-Wasserturm: „Vandtårnet i Sakskøbing" von Sir48, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · CTA-Card Guldborgsund: „Guldborgsund 2019" von Toxophilus, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.