Ein ockergelber Achteckturm mitten in der Stadt – 1908 Dänemarks erstes Bauwerk aus Eisenbeton. Heute steigst du 147 Stufen hinauf, vorbei an vier Etagen Kunst, und blickst über ganz Nykøbing.
Er steht ein paar Schritte von der Fußgängerzone entfernt, gelb und massig, mit einem roten Laternendach und dänischen Flaggen an der Galerie: der Wasserturm von Nykøbing Falster. Für die meisten ist er einfach ein hübsches Wahrzeichen. Sein eigentlicher Rang steckt im Baustoff. Als der Turm 1908 fertig wurde, war er das erste Bauwerk Dänemarks aus Eisenbeton – jener Stahl-Beton-Bauweise, die kurz darauf das ganze Land verändern sollte. Was heute selbstverständlich klingt, war damals eine kleine Sensation.
Dass ausgerechnet eine Provinzstadt im Süden den Anfang machte, hat mit dem Zweck zu tun. Ein Wasserturm braucht einen schweren Hochbehälter weit oben – eine Aufgabe, für die der neue Werkstoff wie geschaffen war. 43 Meter misst der Turm bis zur Spitze. Oben lagerte einst das Trinkwasser für die wachsende Stadt, die heute rund 16.000 Einwohner zählt und damit gut ein Drittel der ganzen Inselbevölkerung stellt.
Seinen ursprünglichen Job hat der Turm längst abgegeben – moderne Pumpwerke halten das Wasser heute im Netz. Statt leer zu stehen, wurde er zu einem Kulturort. Im Inneren führt eine Treppe mit 147 Stufen nach oben, und auf dem Weg passierst du vier Etagen mit wechselnden Kunstausstellungen. Mal hängen Fotografien an den runden Wänden, mal Malerei aus der Region – wer den Turm betritt, weiß nie ganz genau, was ihn erwartet. Genau das macht den Reiz aus.
Die Aussichtsgalerie liegt auf rund 32 Metern Höhe – nicht ganz oben unter dem Dach, aber hoch genug. Von hier siehst du über die roten Ziegeldächer der Altstadt, den Guldborgsund und das flache Land ringsum. An klaren Tagen reicht der Blick bis zu den Nachbarinseln Lolland im Westen und Møn im Nordosten. Nach dem Aufstieg wartet unten im Erdgeschoss ein kleines Café – guter Ort, um die Beine kurz auszuruhen.
1908 fertig – das erste Bauwerk des Landes aus Eisenbeton
Aussichtsgalerie auf rund 32 m, Turmspitze bei 43 m
Wechselnde Ausstellungen, Café im Erdgeschoss
Wenige Schritte von der Fußgängerzone, gut zu Fuß erreichbar
Für den Wasserturm allein fährt niemand nach Nykøbing. Der Aufstieg dauert zehn Minuten, oben genießt du den Blick, dann geht es wieder hinunter – ein feiner Zwischenstopp, keine Halbtagesattraktion. Sein Reiz wächst, wenn du ihn mit einem Bummel durch die Altstadt verbindest. Von hier sind es nur ein paar Minuten zu Fuß zu Czarens Hus, dem ältesten Bürgerhaus der Stadt, zur backsteingotischen Klosterkirche und zur Schlossruine am Slotsbryggen. Zusammen ergibt das einen ruhigen, dänisch-hyggeligen Stadtnachmittag.
Und wenn du Türme magst: Am südlichsten Zipfel der Insel steht sein kleiner Verwandter, der Wasserturm von Gedser von 1912 – auch er ein alter Wasserspeicher, der heute als Aussichtsturm dient und den Blick bis nach Rostock freigibt.
Von Rostock bringt dich die Fähre in rund zwei Stunden nach Gedser – von dort sind es nur 14 Kilometer bis nach Nykøbing und seinem gelben Turm. Sichere dir deine Überfahrt gleich online.
Fähre buchen Mehr zur FähreBildnachweise: Hero/OG-Foto „Wasserturm Nykøbing Falster“: Foto „Nykøbing Falster – Vandtårnet“ von Hubertus45, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.