Am südlichsten Bahnhof Dänemarks steht der alte Lokschuppen noch. Drinnen: historische Loks, ein fahrbereiter Schienenbus und ein Stück europäische Verkehrsgeschichte.
Gedser war einmal Dänemarks Tor zum Kontinent. Ab 1886 fuhr von hier die Fähre nach Warnemünde und später Rostock, und mit ihr die durchgehenden Schnellzüge Richtung Berlin und Hamburg. Die Waggons rollten direkt an den Kai und auf das Schiff. Damit dieser Betrieb rund lief, brauchte es hier ganz unten am Zipfel eine eigene Remise – einen Lokschuppen, in dem Maschinen gewartet, gedreht und über Nacht abgestellt wurden.
Genau dieser Schuppen ist heute das Museum. Als die dänische Staatsbahn DSB den Standort Ende der 1980er aufgab, gründete sich 1987 die Bevaringsforeningen Gedser Remise – ein Verein, der die Anlage übernahm, statt sie abreißen zu lassen. Seitdem halten Ehrenamtliche das Areal in Betrieb. Ein poliertes Hochglanzmuseum ist das nicht. Hier riecht es nach Öl, Rost und Schmierfett – echter Eisenbahnbetrieb.
Im und rund um den Schuppen steht ein bunt gemischter Fuhrpark: Rangierloks, Personen- und Güterwagen, Draisinen und Bahntechnik aus verschiedenen Epochen. Das Prunkstück ist der silberne Schienenbus LNJ SM-13, der fahrbereit gehalten wird. Vieles darfst du aus der Nähe anschauen, in Führerstände klettern, an den Hebeln stehen. Für Kinder ist das oft interessanter als jede Vitrine.
Rangierlok, Schienenbus und historische Wagen im Original-Lokschuppen
Der RemiseExpres pendelt in den Ferien zwischen Nykøbing F. und Gedser
Skinnecykling: Mit der Schienen-Draisine selbst über die alte Strecke
Kommandoposten aus dem Kult-Film „Olsenbanden på Sporet"
Zwei Dinge heben die Remise über das reine Ausstellen hinaus. In den Sommer- und Osterferien fährt der RemiseExpres, ein Veteranzug, auf der Strecke zwischen Nykøbing Falster und Gedser. Und auf einem hergerichteten Gleisabschnitt kannst du mit einer Schienen-Draisine selbst in die Pedale treten – „Skinnecykling" heißt das auf Dänisch. Beides ist wetterabhängig und läuft ehrenamtlich, die Termine stehen auf der Museumsseite.
Ein Extra für Filmfans: Seit 2016 gehört „Det Gule Palæ", das Gelbe Palais, zum Museum. Das kleine Gebäude war Drehort im dänischen Olsenbanden-Film „Olsenbanden på Sporet" – wer die Bande kennt, erkennt den Kommandoposten sofort wieder.
Ehrlich gesagt: Wenn dich Eisenbahn kaltlässt, wird die Remise dich nicht bekehren. Es ist ein kompaktes Vereinsmuseum, kein Erlebnispark. Aber für Bahnfans, für Familien mit technikbegeisterten Kindern und für alle, die den historischen Faden vom Zug zur Fähre spannend finden, ist der Stopp Gold wert. Der Reiz liegt im Authentischen – hier wird noch geschraubt und gefahren, während anderswo bloß konserviert wird. Kombiniert mit dem Gedser Leuchtturm und einem Fischbrötchen an der Gedser Räucherei wird ein runder Ausflug an die Südspitze daraus.
Die Remise liegt buchstäblich am Ende der Bahnlinie – und die beginnt für dich an der Fähre. Rostock–Gedser bringt dich in rund zwei Stunden direkt an die Südspitze Falsters.
Fähre buchen Mehr zur FähreBildnachweise: Hero & Schienenbus: Foto „LNJ SM-13 at Gedser remise" von Thomas Dahlstrøm Nielsen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.