Die kleine Insel zwischen Falster und Møn, an der die meisten mit Tempo 80 vorbeirauschen. Dabei fährt hier eine hölzerne Fähre von 1959 – und auf einem Feld steht der Betonturm, ohne den es die Windkraft von Gedser vielleicht nie gegeben hätte.
Bogø liegt mitten im Grønsund, zwischen Falster, Møn und Seeland. Die Insel misst 13,07 km² und hat rund 1.170 Einwohner, gut 900 davon im Hauptort Bogø By. Damit ist sie eine der wenigen dänischen Kleininseln, deren Bevölkerung seit Jahrzehnten stabil bleibt – die Farøbrücken von 1985 haben das Abwandern gestoppt.
Genau diese gute Anbindung ist ihr Problem im Reiseführer. Wer von Falster nach Møns Klint will, fährt über die Autobahn E47, quert Farø und nimmt den Damm – Bogø liegt dabei rechts und links der Straße und ist nach vier Minuten wieder vorbei. Die Insel hat keine Sehenswürdigkeit, die vom Autofenster aus winkt.
Sie hat stattdessen eine Fähre, die als schwimmender Radweg gilt, einen Leuchtturm, in dem du übernachten darfst, und ein Stück Technikgeschichte, das direkt nach Falster führt.
Plane Bogø nicht als Zwischenstopp auf dem Weg nach Møns Klint ein. Die Kreidefelsen sind von hier noch 42 km und knapp 50 Minuten entfernt – zusammen wird das ein sehr langer Tag. Bogø trägt einen eigenen halben Tag, am besten mit dem Rad.
Von Falster aus musst du nicht über die Autobahn. Zwischen Stubbekøbing und Bogø pendelt im Sommer die M/F Ida, eine Holzfähre von 1959. Die Überfahrt dauert 12 Minuten und ist die einzige direkte Verbindung zwischen Falster und Bogø.
Die Ida fasst 98 Passagiere und 12 Autos. In der Praxis ist sie vor allem eine Radfahrerfähre: Auf Bogø treffen sich die dänischen Nationalrouten, und wer den Radweg Berlin–Kopenhagen oder die Østersøruten fährt, spart sich mit der Überfahrt den Umweg über die Autobahnbrücken.
Kaufen kannst du am Automaten an beiden Häfen – MobilePay, Karte oder Bargeld. Eine Reservierung gibt es nicht. Bei elf Abfahrten am Tag und 12 Autoplätzen kann es an einem Sonntag im Juli eng werden; mit dem Rad kommst du praktisch immer mit.
Saison beachten: Die Ida fährt vom 1. Mai bis 30. September und noch einmal in den dänischen Herbstferien (10.–18. Oktober 2026). Außerhalb dieser Zeit bleibt nur der Landweg über Farø – dann sind es ab Stubbekøbing 21 km und gut 20 Minuten mit dem Auto.
| Ticket | Einfach | Retour |
|---|---|---|
| Erwachsene | ab ca. 45 DKK | ab ca. 55 DKK |
| Kinder 3–15 J. | ab ca. 35 DKK | ab ca. 45 DKK |
| Rad + Erwachsener | ab ca. 85 DKK | ab ca. 95 DKK |
| Rad + Kind | ab ca. 70 DKK | ab ca. 80 DKK |
| Pkw bis 3,5 t | ab ca. 160 DKK | ab ca. 200 DKK |
| Wohnmobil / Gespann | ab ca. 190 DKK | ab ca. 240 DKK |
Preise in dänischen Kronen, Stand Saison 2026. 10er-Karten sind deutlich günstiger – für einen Urlaub mit mehreren Überfahrten lohnt sich das.
Auf Bogø steht ein schmuckloser Betonturm. 1942 setzte das Elektrizitätswerk SEAS dort ein zweiflügeliges Windrad mit Gleichstromgenerator drauf – Kriegszeit, Kohle war knapp.
Entscheidend wurde, was 1951 folgte. Der Ingenieur Johannes Juul durfte auf diesem Turm seine Idee ausprobieren: drei Flügel, Stall-Regelung, Asynchrongenerator direkt am Wechselstromnetz. Ausgelegt war die Anlage auf 45 kW. Sie lieferte 65.
Sechs Jahre später baute Juul mit genau diesen Erfahrungen die Gedsermølle – 200 kW, zwei Kilometer nördlich von Gedser an Falsters Westküste. Sie gilt als Urmutter aller modernen Windkraftanlagen; das Dreiflügel-Prinzip von heute stammt von ihr. Der Prototyp dafür drehte sich auf Bogø.
Zu sehen gibt es hier keine Ausstellung und kein Schild mit langem Text. Nur einen Betonturm auf einem Feld. Wenn du weißt, was er ist, ist er der interessanteste Gegenstand der Insel.
Vier Ziele, die sich an einem halben Tag verbinden lassen – alle innerhalb von rund fünf Kilometern.
Galerie-Holländermühle, gebaut 1852 als Ersatz für die 1696er Mühle, die abbrannte. Fünf Stockwerke, originales Holzwerk, bis 1965 in Betrieb, seit 1964 denkmalgeschützt. Heute gehört sie dem Bogø Møllelaug, einem Verein von Ehrenamtlichen. Geöffnet in den dänischen Schulferien Mi, Fr, Sa und So von 11 bis 16 Uhr.
Mittelalterliche Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert, überwiegend spätgotisch, mit vier Kreuzgewölben aus dem 16. Jahrhundert. Der Turm misst 16,4 Meter – die obersten sechs kamen erst 1868 dazu, aus schmalen Flensburger Ziegeln, damit er von See aus besser als Seezeichen taugt. Drinnen hängt ein Kirchenschiff.
Kleiner Hafen im Norden, aus dem 1922 ein richtiges Becken wurde, 2012 kam eines für Sportboote dazu. Hier legt die Ida an. Bei klarer Luft siehst du von der Mole die Schrägseilbrücke von Farø – im Foto oben liegt sie genau am Horizont.
Ein Fahrstreifen, ein Radweg, links und rechts Wasser. Über den Damm laufen gleich drei Radrouten – die nationalen Nummern 8 und 9 sowie die regionale 58. Mit dem Rad ist das der schönste Kilometer der Gegend, mit dem Auto eine Stelle, an der du besser nicht abgelenkt bist.
Am Vesternæsvej 7 steht Bogø Fyr, ein kleiner Leuchtturm an der Westküste. Der Turm ist als Unterkunft freigegeben – und das ist wörtlich gemeint: Das Erdgeschoss steht offen, kostenlos und ohne Buchung, als Schutzhütte und Rastplatz.
Im ersten Stock ist Platz für zwei Personen, geheizt wird mit einem Holzofen. Diese Etage kannst du reservieren, wenn du Mitglied im Verein Bogø Fyrs Venner bist – das kostet 150 DKK pro Kalenderjahr. Brennholz bringst du selbst mit.
Vom Turm blickst du über den Storstrømmen bis zu den Farøbrücken. Kajaks lassen sich direkt daneben zu Wasser lassen, und die Küste ist zum Angeln gut zugänglich. Mehr zu dieser Art Übernachtung findest du auf unserer Seite zu Sheltern und Naturübernachtungen.
Die Regel dazu: Übernachtet wird ausschließlich im Turm. Zelte, Wohnmobile und Campingbusse sind auf dem Gelände nicht erlaubt. Wer mit dem Camper unterwegs ist, fährt besser auf einen Platz auf Falster und kommt tagsüber herüber.
Der Wald im Osten der Insel ist 125 Hektar groß und gehört 103 Eigentümern gemeinsam – eine alte Form der Allmende, die es kaum noch gibt. Botanisch wurde er 1982 in die höchste dänische Wertstufe eingeordnet.
Zu sehen sind vor allem Buchen und Ahorn, im Frühjahr flächig Anemonen, dazu Farne und seltene Orchideen. Für einen Spaziergang von einer Stunde ist das die beste Adresse der Insel – und im April bis Mai der Zeitpunkt, an dem sich der Weg wirklich lohnt.
Alle Zeiten sind gemessene Autofahrzeiten nach Bogø By, nicht geschätzt:
Bogø ist klein versorgt, aber versorgt. Einen Tankstopp planst du besser vorher auf Falster ein.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Ehrlich gesagt: Wenn du eine Woche Falster hast und zum ersten Mal da bist, gehört Bogø nicht auf die Liste. Møns Klint, das Middelaldercentret und die Strände zwischen Marielyst und Gedesby liefern mehr pro investierter Stunde.
Richtig gut wird die Insel in drei Fällen. Erstens mit dem Rad – die Kombination aus Ida-Überfahrt, flachem Inselrundweg und Damm nach Møn ist ein Tag, den du so auf Falster nicht bekommst. Zweitens bei zweitem oder drittem Besuch, wenn die großen Ziele abgehakt sind. Drittens mit Interesse an Technikgeschichte: Der Betonturm auf dem Feld ist der Vorfahre der Gedsermølle, und diesen Bogen von Bogø nach Gedser schlägt sonst niemand.
Was du hier nicht findest: Restaurants mit Auswahl, Attraktionen für Kinder bei Regen, Souvenirläden. Bogø ist ein Wohnort mit Fähre, kein Ausflugsziel mit Infrastruktur. Wer das weiß, wird nicht enttäuscht.
Im Sommer am schönsten mit der Fähre Ida ab Stubbekøbing: 12 Minuten Überfahrt, 1. Mai bis 30. September plus dänische Herbstferien, ab ca. 45 DKK pro Erwachsenem. Ganzjährig geht es über Land via Autobahn E47 und Farø – ab Stubbekøbing rund 21 km, ab Marielyst etwa 48 km.
Rund 42 Kilometer und knapp 50 Minuten mit dem Auto. Die oft genannten „15 Minuten bis zu den Kreidefelsen" stimmen nicht – Bogø grenzt zwar an Møn, aber die Klippen liegen ganz im Osten der Nachbarinsel.
Ja, an der Küste gibt es ruhige, flach abfallende Badestellen. Rettungsschwimmer und Strandinfrastruktur wie in Marielyst gibt es hier nicht. Wer Sandstrand mit Service sucht, bleibt besser auf Falsters Ostküste.
Als Erwerbsmühle nicht mehr – gemahlen wurde bis 1965. Seit 1964 steht sie unter Denkmalschutz und gehört heute dem ehrenamtlichen Bogø Møllelaug, der sie instand hält und Veranstaltungen organisiert. Geöffnet ist sie in den dänischen Schulferien mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr.
Bogø erreichst du über Falster – und nach Falster bringt dich die Fähre Rostock–Gedser in rund zwei Stunden. Ab Gedser sind es noch etwa 50 Minuten bis auf die Insel.
Bildnachweise: Luftbild sowie OG-/Twitter-Bild: „Bogø Aerial 2015" von L-BBE, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Fähre Ida: „Ferry Ida Bogo Stubbekobing" von Johan Wessman / News Øresund, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Historisches Windrad: „Bogø vindmølle, SEAS, 1942" von Energimuseet / Kulturstyrelsen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Teaser Bogø Mølle: „Bogø Mølle" von Hubertus, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Teaser Bogø Kirke: „Bogø Kirke" von Hubertus, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Teaser Bogø Havn: „Bogø north harbour" von Sandpiper, Public Domain, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Teaser Damm nach Møn: „Straßendamm zwischen Møn und Bogø" von Andreas Wolf 01, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.