Bogø

Die kleine Insel zwischen Falster und Møn, an der die meisten mit Tempo 80 vorbeirauschen. Dabei fährt hier eine hölzerne Fähre von 1959 – und auf einem Feld steht der Betonturm, ohne den es die Windkraft von Gedser vielleicht nie gegeben hätte.

Größe
13,07 km²
Einwohner
ca. 1.170
Ab Marielyst
ca. 45 Min.
Fähre ab Stubbekøbing
12 Min.
Luftaufnahme von Bogø: die flache Insel mit Feldern, dahinter der schmale Straßendamm nach Møn

Zwei Dämme, kein Umweg

Bogø hängt seit 1943 an Møn und seit 1979 an Farø – der Damm im Bild ist die Verbindung nach Møn.

Die Insel

13 Quadratkilometer, an denen alle vorbeifahren

Bogø liegt mitten im Grønsund, zwischen Falster, Møn und Seeland. Die Insel misst 13,07 km² und hat rund 1.170 Einwohner, gut 900 davon im Hauptort Bogø By. Damit ist sie eine der wenigen dänischen Kleininseln, deren Bevölkerung seit Jahrzehnten stabil bleibt – die Farøbrücken von 1985 haben das Abwandern gestoppt.

Genau diese gute Anbindung ist ihr Problem im Reiseführer. Wer von Falster nach Møns Klint will, fährt über die Autobahn E47, quert Farø und nimmt den Damm – Bogø liegt dabei rechts und links der Straße und ist nach vier Minuten wieder vorbei. Die Insel hat keine Sehenswürdigkeit, die vom Autofenster aus winkt.

Sie hat stattdessen eine Fähre, die als schwimmender Radweg gilt, einen Leuchtturm, in dem du übernachten darfst, und ein Stück Technikgeschichte, das direkt nach Falster führt.

Kleiner Tipp

Plane Bogø nicht als Zwischenstopp auf dem Weg nach Møns Klint ein. Die Kreidefelsen sind von hier noch 42 km und knapp 50 Minuten entfernt – zusammen wird das ein sehr langer Tag. Bogø trägt einen eigenen halben Tag, am besten mit dem Rad.

Die schönste Anreise

Die Ida – 12 Minuten schwimmender Radweg

Von Falster aus musst du nicht über die Autobahn. Zwischen Stubbekøbing und Bogø pendelt im Sommer die M/F Ida, eine Holzfähre von 1959. Die Überfahrt dauert 12 Minuten und ist die einzige direkte Verbindung zwischen Falster und Bogø.

Radfahrer mit Gepäcktaschen und Autos warten am Fähranleger unter dem Schild Stubbekøbing auf die Fähre Ida
Foto: Johan Wessman / News Øresund — CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Die Ida fasst 98 Passagiere und 12 Autos. In der Praxis ist sie vor allem eine Radfahrerfähre: Auf Bogø treffen sich die dänischen Nationalrouten, und wer den Radweg Berlin–Kopenhagen oder die Østersøruten fährt, spart sich mit der Überfahrt den Umweg über die Autobahnbrücken.

Kaufen kannst du am Automaten an beiden Häfen – MobilePay, Karte oder Bargeld. Eine Reservierung gibt es nicht. Bei elf Abfahrten am Tag und 12 Autoplätzen kann es an einem Sonntag im Juli eng werden; mit dem Rad kommst du praktisch immer mit.

Saison beachten: Die Ida fährt vom 1. Mai bis 30. September und noch einmal in den dänischen Herbstferien (10.–18. Oktober 2026). Außerhalb dieser Zeit bleibt nur der Landweg über Farø – dann sind es ab Stubbekøbing 21 km und gut 20 Minuten mit dem Auto.

Preise 2026 (Richtwerte)

Ticket Einfach Retour
Erwachseneab ca. 45 DKKab ca. 55 DKK
Kinder 3–15 J.ab ca. 35 DKKab ca. 45 DKK
Rad + Erwachsenerab ca. 85 DKKab ca. 95 DKK
Rad + Kindab ca. 70 DKKab ca. 80 DKK
Pkw bis 3,5 tab ca. 160 DKKab ca. 200 DKK
Wohnmobil / Gespannab ca. 190 DKKab ca. 240 DKK

Preise in dänischen Kronen, Stand Saison 2026. 10er-Karten sind deutlich günstiger – für einen Urlaub mit mehreren Überfahrten lohnt sich das.

Abfahrten

  • 11 Abfahrten pro Richtung und Tag
  • Ab Stubbekøbing: 9:00 bis 18:00 Uhr
  • Ab Bogø: 9:15 bis 18:15 Uhr
  • Überfahrt: 12 Minuten über den Grønsund
Was kein Reiseführer erzählt

Das Windrad, das Gedser möglich machte

Auf Bogø steht ein schmuckloser Betonturm. 1942 setzte das Elektrizitäts­werk SEAS dort ein zweiflügeliges Windrad mit Gleichstrom­generator drauf – Kriegszeit, Kohle war knapp.

Entscheidend wurde, was 1951 folgte. Der Ingenieur Johannes Juul durfte auf diesem Turm seine Idee ausprobieren: drei Flügel, Stall-Regelung, Asynchron­generator direkt am Wechselstromnetz. Ausgelegt war die Anlage auf 45 kW. Sie lieferte 65.

Sechs Jahre später baute Juul mit genau diesen Erfahrungen die Gedsermølle – 200 kW, zwei Kilometer nördlich von Gedser an Falsters Westküste. Sie gilt als Urmutter aller modernen Windkraftanlagen; das Dreiflügel-Prinzip von heute stammt von ihr. Der Prototyp dafür drehte sich auf Bogø.

Zu sehen gibt es hier keine Ausstellung und kein Schild mit langem Text. Nur einen Betonturm auf einem Feld. Wenn du weißt, was er ist, ist er der interessanteste Gegenstand der Insel.

Historische Schwarzweißaufnahme des SEAS-Windrads auf Bogø: schlanker Betonturm mit Rotor vor Wolkenhimmel
Das SEAS-Windrad auf Bogø. Foto: Energimuseet / Kulturstyrelsen — CC BY 4.0 via Wikimedia Commons
Sehenswürdigkeiten

Das gibt es zu entdecken

Vier Ziele, die sich an einem halben Tag verbinden lassen – alle innerhalb von rund fünf Kilometern.

Seit 1852

Bogø Mølle

Galerie-Holländermühle, gebaut 1852 als Ersatz für die 1696er Mühle, die abbrannte. Fünf Stockwerke, originales Holzwerk, bis 1965 in Betrieb, seit 1964 denkmalgeschützt. Heute gehört sie dem Bogø Møllelaug, einem Verein von Ehrenamtlichen. Geöffnet in den dänischen Schulferien Mi, Fr, Sa und So von 11 bis 16 Uhr.

13. Jahrhundert

Bogø Kirke

Mittelalterliche Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert, überwiegend spätgotisch, mit vier Kreuzgewölben aus dem 16. Jahrhundert. Der Turm misst 16,4 Meter – die obersten sechs kamen erst 1868 dazu, aus schmalen Flensburger Ziegeln, damit er von See aus besser als Seezeichen taugt. Drinnen hängt ein Kirchenschiff.

Fährhafen

Bogø Havn

Kleiner Hafen im Norden, aus dem 1922 ein richtiges Becken wurde, 2012 kam eines für Sportboote dazu. Hier legt die Ida an. Bei klarer Luft siehst du von der Mole die Schrägseilbrücke von Farø – im Foto oben liegt sie genau am Horizont.

Damm von 1943

Der Damm nach Møn

Ein Fahrstreifen, ein Radweg, links und rechts Wasser. Über den Damm laufen gleich drei Radrouten – die nationalen Nummern 8 und 9 sowie die regionale 58. Mit dem Rad ist das der schönste Kilometer der Gegend, mit dem Auto eine Stelle, an der du besser nicht abgelenkt bist.

Übernachten

Schlafen im Leuchtturm

Am Vesternæsvej 7 steht Bogø Fyr, ein kleiner Leuchtturm an der Westküste. Der Turm ist als Unterkunft freigegeben – und das ist wörtlich gemeint: Das Erdgeschoss steht offen, kostenlos und ohne Buchung, als Schutzhütte und Rastplatz.

Im ersten Stock ist Platz für zwei Personen, geheizt wird mit einem Holzofen. Diese Etage kannst du reservieren, wenn du Mitglied im Verein Bogø Fyrs Venner bist – das kostet 150 DKK pro Kalenderjahr. Brennholz bringst du selbst mit.

Vom Turm blickst du über den Storstrømmen bis zu den Farøbrücken. Kajaks lassen sich direkt daneben zu Wasser lassen, und die Küste ist zum Angeln gut zugänglich. Mehr zu dieser Art Übernachtung findest du auf unserer Seite zu Sheltern und Naturübernachtungen.

Die Regel dazu: Übernachtet wird ausschließlich im Turm. Zelte, Wohnmobile und Campingbusse sind auf dem Gelände nicht erlaubt. Wer mit dem Camper unterwegs ist, fährt besser auf einen Platz auf Falster und kommt tagsüber herüber.

Bogø Østerskov

Der Wald im Osten der Insel ist 125 Hektar groß und gehört 103 Eigentümern gemeinsam – eine alte Form der Allmende, die es kaum noch gibt. Botanisch wurde er 1982 in die höchste dänische Wertstufe eingeordnet.

Zu sehen sind vor allem Buchen und Ahorn, im Frühjahr flächig Anemonen, dazu Farne und seltene Orchideen. Für einen Spaziergang von einer Stunde ist das die beste Adresse der Insel – und im April bis Mai der Zeitpunkt, an dem sich der Weg wirklich lohnt.

Praktisches

Anfahrt und Versorgung

So kommst du hin

Alle Zeiten sind gemessene Autofahrzeiten nach Bogø By, nicht geschätzt:

  • Ab Stubbekøbing mit der Ida: 12 Min. Überfahrt (Mai–September)
  • Ab Stubbekøbing über Land: ca. 21 km / ca. 20 Min.
  • Ab Nykøbing Falster: ca. 30 km / ca. 30 Min.
  • Ab Marielyst: ca. 48 km / ca. 45 Min.
  • Ab Gedser Hafen: ca. 54 km / ca. 50 Min.
  • Ab Stege auf Møn: ca. 22 km / ca. 25 Min.
  • Bus: Linie 660R Vordingborg – Stege hält auf Bogø

Gut zu wissen

Bogø ist klein versorgt, aber versorgt. Einen Tankstopp planst du besser vorher auf Falster ein.

  • Dagli'Brugsen und eine Bäckerei in Bogø By, nah am Hafen
  • Gastronomie am Hafen – Öffnungszeiten sind saisonal, vorher prüfen
  • Parken am Hafen und an der Mühle kostenlos
  • Badestrand an der Küste, flach und ruhig – keine Rettungsschwimmer
  • Geldautomat gibt es keinen; Kartenzahlung ist überall üblich

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende

Unsere Einschätzung

Lohnt sich Bogø für dich?

Ehrlich gesagt: Wenn du eine Woche Falster hast und zum ersten Mal da bist, gehört Bogø nicht auf die Liste. Møns Klint, das Middelaldercentret und die Strände zwischen Marielyst und Gedesby liefern mehr pro investierter Stunde.

Richtig gut wird die Insel in drei Fällen. Erstens mit dem Rad – die Kombination aus Ida-Überfahrt, flachem Inselrundweg und Damm nach Møn ist ein Tag, den du so auf Falster nicht bekommst. Zweitens bei zweitem oder drittem Besuch, wenn die großen Ziele abgehakt sind. Drittens mit Interesse an Technik­geschichte: Der Betonturm auf dem Feld ist der Vorfahre der Gedsermølle, und diesen Bogen von Bogø nach Gedser schlägt sonst niemand.

Was du hier nicht findest: Restaurants mit Auswahl, Attraktionen für Kinder bei Regen, Souvenirläden. Bogø ist ein Wohnort mit Fähre, kein Ausflugsziel mit Infrastruktur. Wer das weiß, wird nicht enttäuscht.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie kommt man von Falster nach Bogø?

Im Sommer am schönsten mit der Fähre Ida ab Stubbekøbing: 12 Minuten Überfahrt, 1. Mai bis 30. September plus dänische Herbstferien, ab ca. 45 DKK pro Erwachsenem. Ganzjährig geht es über Land via Autobahn E47 und Farø – ab Stubbekøbing rund 21 km, ab Marielyst etwa 48 km.

Wie weit ist es von Bogø nach Møns Klint?

Rund 42 Kilometer und knapp 50 Minuten mit dem Auto. Die oft genannten „15 Minuten bis zu den Kreidefelsen" stimmen nicht – Bogø grenzt zwar an Møn, aber die Klippen liegen ganz im Osten der Nachbarinsel.

Kann man auf Bogø baden?

Ja, an der Küste gibt es ruhige, flach abfallende Badestellen. Rettungs­schwimmer und Strandinfrastruktur wie in Marielyst gibt es hier nicht. Wer Sandstrand mit Service sucht, bleibt besser auf Falsters Ostküste.

Ist die Bogø Mølle noch in Betrieb?

Als Erwerbsmühle nicht mehr – gemahlen wurde bis 1965. Seit 1964 steht sie unter Denkmalschutz und gehört heute dem ehrenamtlichen Bogø Møllelaug, der sie instand hält und Veranstaltungen organisiert. Geöffnet ist sie in den dänischen Schulferien mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr.

Erst mal herkommen

Von Rostock in zwei Stunden

Bogø erreichst du über Falster – und nach Falster bringt dich die Fähre Rostock–Gedser in rund zwei Stunden. Ab Gedser sind es noch etwa 50 Minuten bis auf die Insel.

Bildnachweise: Luftbild sowie OG-/Twitter-Bild: „Bogø Aerial 2015" von L-BBE, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Fähre Ida: „Ferry Ida Bogo Stubbekobing" von Johan Wessman / News Øresund, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Historisches Windrad: „Bogø vindmølle, SEAS, 1942" von Energimuseet / Kulturstyrelsen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Teaser Bogø Mølle: „Bogø Mølle" von Hubertus, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Teaser Bogø Kirke: „Bogø Kirke" von Hubertus, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Teaser Bogø Havn: „Bogø north harbour" von Sandpiper, Public Domain, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Teaser Damm nach Møn: „Straßendamm zwischen Møn und Bogø" von Andreas Wolf 01, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.