Sechs Einwohner, Ackerland, eine Autobahnabfahrt und zwei Brücken, über die halb Dänemark nach Falster rollt. Farø ist die Insel, die fast jeder überquert und fast niemand betritt.
Farø trägt die Autobahn E47/E55 auf halber Strecke zwischen Seeland und Falster. Von Norden kommt die flache Balkenbrücke: 1.596 Meter lang, 20 Meter Durchfahrtshöhe. Nach Süden, wo der Storstrømmen tief genug für Frachtschiffe ist, spannt sich die Schrägseilbrücke — 1.726 Meter, ein Hauptfeld von 290 Metern, Pylone von rund 94 Metern.
Gebaut wurde von 1980 bis 1985, den Entwurf lieferte Erik Villefrance. Am 4. Juni 1985 ging beides in Betrieb. Vier Fahrspuren, Maut gibt es keine. Einen Rad- oder Gehweg gibt es hier ebenfalls nicht — merk dir das, falls du mit dem Rad unterwegs bist.
In Reiseführern und älteren Webseiten liest man immer wieder, Farø liege in der Mitte der Storstrømsbroen von 1937. Das stimmt nicht. Die alte Storstrømsbroen führt von Orehoved auf Falster über die Insel Masnedø nach Vordingborg — rund 15 Kilometer westlich von Farø, eine andere Route, ein anderes Bauwerk.
Die Verwechslung hat einen Grund: Beide Übergänge verbinden Falster mit Seeland, beide queren den Storstrømmen. Die alte Brücke war das Original. 3.199 Meter lang, 50 Felder, dazu ein Eisenbahngleis und ein kombinierter Geh- und Radweg. König Christian X. weihte sie am 26. September 1937 ein. Als der Verkehr in den Siebzigern zu dicht wurde, entstanden die Farøbroerne als Entlastung.
2026 ist das Kapitel zu Ende gegangen. Seit dem 23. März 2026 rollt der Verkehr über den Neubau daneben: die Dronning Margrethe II's Bro, rund 3.832 Meter lang, mit zwei Fahrspuren, zwei Bahngleisen und einem kombinierten Geh- und Radweg. Kostenpunkt für das Gesamtprojekt: etwa 4,7 Milliarden Kronen. Die Bahn soll 2027 folgen.
Am 3. Juni 2026 wurde die alte Storstrømsbroen nach 88 Jahren für Autos, Räder und Fußgänger gesperrt, drei Tage später mit einem Volksfest verabschiedet. Sie trägt vorerst noch die Bahn. Danach wird sie abgerissen. Wenn du sie noch sehen willst: von Farø sind es rund 15 Kilometer und etwa 16 Minuten bis Orehoved.
Über die Farø-Brücken kommst du mit dem Rad nicht — vier Autobahnspuren, kein Radweg. Der Weg zwischen Falster und Seeland führt seit dem 23. März 2026 über die neue Storstrømsbro bei Orehoved, die einen eigenen Geh- und Radweg hat. Im Sommer bleibt die Fähre „Ida" ab Stubbekøbing die schönere Alternative. Details auf unserer Seite zum Radweg Berlin–Kopenhagen.
| Übergang | Verbindet | Länge | Seit | Rad & Fuß |
|---|---|---|---|---|
| Farøbroerne (E47/E55) | Seeland – Farø – Falster | 1.596 m + 1.726 m | 4. Juni 1985 | nein |
| Storstrømsbroen (alt) | Vordingborg – Masnedø – Orehoved | 3.199 m | 1937–2026 | bis 3. Juni 2026 |
| Dronning Margrethe II's Bro | Vordingborg – Masnedø – Orehoved | ca. 3.832 m | 23. März 2026 | ja |
| Damm Farø – Bogø | Farø – Bogø | Straßendamm | 1979 | ja |
Farø misst 0,93 Quadratkilometer und hatte am 1. Januar 2026 sechs Einwohner. Ein Jahr zuvor waren es fünf. Die Insel ist eine Moräne aus der letzten Eiszeit mit flachen Küsten, kirchlich gehört sie seit einem königlichen Erlass von 1754 zu Bogø, verwaltet wird sie von der Kommune Vordingborg. Der weitaus größte Teil der Fläche ist Ackerland in Privatbesitz. Einen Ort gibt es nicht, einen Laden auch nicht.
Frei zugänglich ist der Rastplatz an Abfahrt 42. Toiletten, Parkplätze, Ladesäulen für E-Autos — im Sommer ein beliebter Stopp für Familien auf dem Weg nach Süden. Die Betreiber der dänischen Autobahn-Rastplätze wechseln 2026 durch eine neue Ausschreibung des Vejdirektoratet, das Angebot vor Ort kann sich also ändern.
Auffällig ist das große weiße Gebäude am Rastplatz, entworfen vom Architekten Henning Larsen. Darin steckt eine kleine dänische Kuriositätengeschichte: Bis 1996 war hier das Danmarks Vejmuseum untergebracht, das Straßenmuseum des Landes. Danach folgten unter anderem ein Schokoladenmuseum und eine Cafeteria. 2021 kaufte die Versicherung Storstrøm Forsikring das Haus und zog nach 176 Jahren in Stege auf Møn im August 2023 hierher.
Praktisch heißt das: Fahr nicht wegen eines Museums raus. Es ist ein Bürogebäude mit einem Rastplatz davor. Wer weiterwill, nimmt den Damm von 1979 nach Bogø — sechs Kilometer, gute sieben Minuten. Von dort führt ein zweiter Damm, gebaut 1943, weiter nach Møn.
| Von Farø nach … | Strecke | Fahrzeit |
|---|---|---|
| Bogø By | ca. 6 km | ca. 7 Min. |
| Vordingborg | ca. 13 km | ca. 13 Min. |
| Orehoved (alte Brücke) | ca. 15 km | ca. 16 Min. |
| Stubbekøbing | ca. 16 km | ca. 16 Min. |
| Nykøbing Falster | ca. 26 km | ca. 24 Min. |
| Stege (Møn) | ca. 26 km | ca. 28 Min. |
| Marielyst | ca. 43 km | ca. 45 Min. |
| Gedser (Fährhafen) | ca. 49 km | ca. 45 Min. |
Autofahrzeiten ohne Stau, gerechnet ab dem Rastplatz an Abfahrt 42.
Farø wird gern als Vogelparadies beschrieben. Vom Rastplatz aus blickst du tatsächlich über flaches Wasser, im Winter siehst du hier Schwäne, Gänse und Tauchenten ziehen. Ein ausgewiesenes Vogelschutzgebiet ist die Insel jedoch keins — und Beobachtungshütten, markierte Pfade oder eine Infotafel gibt es ebenfalls nicht.
Die großen Schutzgebiete der Region liegen südwestlich: Das Natura-2000-Gebiet Nr. 173 umfasst 79.069 Hektar, überwiegend Meer — Smålandsfarvandet nördlich von Lolland, den Guldborgsund, das Bøtø Nor und Hyllekrog–Rødsand. Über dreißig Vogelarten stehen dort auf der Ausweisungsgrundlage, von Sing- und Höckerschwan über Saat- und Weißwangengans bis zu Seeadler, Säbelschnäbler und Zwergseeschwalbe.
Auf Falster selbst hast du es deutlich besser. Das Bøtø Nor ist ein renaturiertes Marschland mit Beobachtungsturm, Konik-Wildpferden und schottischen Hochlandrindern. Und Gedser Odde, der südlichste Punkt Skandinaviens, ist einer der wichtigsten Zugvogel-Beobachtungspunkte Nordeuropas — im Frühjahr ziehen dort an einem einzigen Tag bis zu 130.000 Eiderenten vorbei.
Plan Farø als Pause ein, keinen Ausflug. Zehn Minuten Beine vertreten, der Blick über den Storstrømmen, ein Foto von der Schrägseilbrücke — das trägt den Stopp. Für einen Vogeltag fahr die 50 Kilometer weiter zum Bøtø Nor oder ganz nach Gedser Odde.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL).
Über die E47/E55, Abfahrt 42 „Farø". Aus Richtung Marielyst rund 43 Kilometer, etwa 45 Minuten. Maut fällt auf dieser Strecke keine an.
Kostenlos parken, Toiletten, Ladesäulen für E-Autos. Betreiber und Angebot ändern sich 2026 durch eine neue Ausschreibung.
Auf der Insel gibt es keinen Supermarkt. Einkaufen kannst du in Stubbekøbing, in Bogø By oder in Vordingborg.
Nein. Farø trägt die Farøbroerne von 1985, über die heute die E47/E55 läuft. Die Storstrømsbroen von 1937 führt rund 15 Kilometer weiter westlich über Masnedø und wurde am 3. Juni 2026 für Autos, Räder und Fußgänger gesperrt.
Nur sehr begrenzt. Die Insel ist 0,93 km² groß, überwiegend Ackerland und in Privatbesitz. Frei zugänglich ist das Rastplatz-Gelände an Abfahrt 42. Wanderwege wie auf Møn oder in Falsters Wäldern findest du hier nicht.
Nein. Die Farøbroerne tragen vier Autobahnspuren ohne Rad- und Gehweg. Seit dem 23. März 2026 gibt es einen Radweg über die neue Dronning Margrethe II's Bro bei Orehoved. Im Sommer fährt außerdem die Fähre „Ida" zwischen Stubbekøbing und Bogø.
Rund 43 Kilometer, mit dem Auto etwa 45 Minuten über die E55 nach Norden. Von Nykøbing Falster sind es ca. 26 Kilometer und rund 24 Minuten.
Farø erreichst du über Falster — und nach Falster bringt dich die Fähre Rostock–Gedser in rund zwei Stunden. Ab Gedser sind es noch etwa 45 Minuten bis zur Abfahrt 42.
Bildnachweise: Luftbild sowie OG-/Twitter-Bild: „Farø Bridges aerial (from west)" von Nikos Roussos, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Brückenfoto: „Farø Bridges 05" von Sparrow (麻雀), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.