EuroVelo 7 · Nationalroute 9

Mit dem Rad von Berlin nach Kopenhagen — über Falster

630 km Fernradweg, davon 64 km flach durch die Sonneninsel. Ein Drittel der Strecke verläuft auf einer Hybridfähre — und genau das ist der entspannteste Teil der Tour.

630 Kilometer gesamt
64 km auf Falster
6–8 Tage Reisedauer
44 m höchster Punkt

Worauf du dich einlässt

Berlin–Kopenhagen ist einer der beliebtesten Fernradwege Europas — und einer der wenigen, die eine 2-stündige Pause auf einer Hybridfähre fest in den Tourplan einbauen. Auf deutscher Seite heißt die Route schlicht „Berlin–Kopenhagen", in Dänemark läuft sie als Nationalroute 9, international als Teil der EuroVelo 7 („Sun Route", Nordkap bis Malta). 630 km insgesamt, in der Praxis fünf bis acht Tage Rad­fahrzeit. Wer es eilig hat, schafft die Strecke in vier Tagen — wer Falster gesehen haben will, plant einen Zwischenstopp ein.

Das Highlight für deine Tourplanung: Die 64 km auf Falster sind komplett flach. Der höchste Punkt der Insel liegt bei rund 44 Metern — auf dem Radweg selbst geht es nie über 30 hinaus. Nach den welligen Etappen durch Brandenburg und Mecklenburg fühlt sich Falster an wie ein gefedertes Ausrollen Richtung Ziel.

Blick von der Falster-Küste auf die Farø-Brücken — Ende der Falster-Etappe des Berlin–Kopenhagen-Radwegs
Foto: Sparrow (麻雀) — CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert)

Die Etappen im Überblick

Die Etappenlängen sind Richtwerte für entspanntes Tagestempo (etwa 80 km/Tag). Wer 100+ km am Tag fährt, fasst Etappen 1+2 oder 6+7 zusammen.

1 ~95 km

Berlin → Oranienburg → Fürstenberg

Aus der Stadt durchs Briesetal, dann ans Wasser — Werbellinsee, Schloss Oranienburg, am Schluss die Havelseen rund um Fürstenberg.

2 ~85 km

Fürstenberg → Waren (Müritz)

Mecklenburgische Seenplatte. Lange Schotterpassagen, viele Badeseen rechts und links der Strecke — Pausen sind hier kein Problem, das Tempo ist es.

3 ~100 km

Waren → Rostock

Längster Tag der Tour. Über Güstrow und Bad Doberan an die Ostsee. Wer am Vorabend in der Rostocker Altstadt schlafen will, sollte hier nicht trödeln.

4 Fähre + 8 km

Rostock-Überseehafen → Scandlines-Fähre → Gedser

2 Stunden Pause auf der Hybridfähre „Copenhagen" oder „Berlin", dann 8 flache Kilometer vom Hafen Gedser bis zum Ort. Räder sind kostenlos. Check-in für Radfahrer 30 Minuten vor Abfahrt — am Radler-Schalter, nicht am Auto-Check-in.

5 ~64 km auf Falster

Gedser → Marielyst → Nykøbing → Farø-Brücken

Die Falster-Etappe — vorbei am Bøtø Skov mit den Konik-Wildpferden, dann 20 km Marielyst-Strand zur Linken, über Nykøbing Falster bis ans Brückenende bei Farø. Wer hier am ersten Tag durchfährt, hat den schönsten Teil verpasst.

6 ~70 km

Farø → Vordingborg → Køge

Über die Farø-Brücken nach Seeland, an Vordingborg vorbei (mit dem Gänseturm — alte Burgruine, lohnt 20 Minuten Stopp), dann an der Køge-Bucht entlang.

7 ~45 km

Køge → Kopenhagen

Letzter Tag. Erst noch ein Stück Küstenradweg, dann die Vororte — und das letzte Stück durch die City rollst du eh nicht, das wären die längsten 10 Minuten der Tour.

Die Fähre — der entspannteste Teil der Tour

Die Scandlines-Linie Rostock–Gedser ist die älteste deutsche Fährverbindung nach Skandinavien (seit 1886). Heute fahren zwei Hybridschiffe — „Copenhagen" und „Berlin" — mit bis zu 10–12 Abfahrten täglich im Zwei-Stunden-Takt zwischen 6:00 und 22:30 Uhr.

EckdatenWert
Strecke48–55 km (rund 27 Seemeilen)
Fahrtzeitca. 2 Stunden
TaktAlle 2 Stunden, 10–12 Abfahrten täglich
Preis Person ohne Fahrzeugab ca. 51–54 € einfach
Fahrrad-Mitnahmekostenlos (gegen Voranmeldung in der Hauptsaison)
Check-in Radfahrer30 Minuten vor Abfahrt
SchiffeHybridfähren „Copenhagen" und „Berlin"

Kleiner Tipp: An Bord gibt es ein Restaurant mit warmem Essen, ein Café und einen Duty-Free-Shop. Plane die Fähre als echte Pause ein — Schuhe aus, hinlegen, essen. Diese zwei Stunden sind die Erholung, die du nach Etappe 3 brauchst, bevor in Stage 5 die Falster-Tour wartet.

Buchen kannst du auch noch am Hafen — in der Nebensaison reicht das. In Juli/August (und an Brückentagen) ist die Hauptverkehrszeit der Fähre vollständig ausgebucht, vor allem mit Wohnmobilen und Vans. Radfahrer kommen meist trotzdem mit, weil sie nicht auf einen Auto-Stellplatz angewiesen sind — aber die Plätze am Radler-Check-in sind irgendwann auch voll. Im Zweifel vorbuchen:

Was die meisten Radreiseführer weglassen

1. Gedser ist nicht „nur" der Fährhafen.

Direkt hinter dem Terminal beginnt Gedser Odde — der südlichste Punkt Skandinaviens. Im Frühjahr ziehen hier an einem einzigen Tag bis zu 130.000 Eiderenten vorbei. Wer mittags ankommt und keine Lust auf 60 km nach Nykøbing hat, dreht eine 15-km-Schleife zum Leuchtturm und übernachtet in Gedser.

2. Marielyst nicht durchfahren — anhalten.

Der Radweg führt direkt am 20 km langen Marielyst-Strand vorbei. Salzgehalt 8,53 ‰ (deutlich niedriger als die Nordsee), Wassertemperatur im Juli über 20 °C. Nach Etappe 3+4 sind beide auf dem Rad froh über 20 Minuten Füße im Wasser. Tipp: das italienische Eis bei Marielyst Is — bis zu 1.100 Waffeln am Tag, daran erkennst du die richtige Adresse.

3. Bøtø Skov — der schönste Waldabschnitt der ganzen Tour.

Zwischen Gedser und Marielyst läuft der Radweg durch den Bøtø Skov — ein Naturreservat mit frei lebenden Konik-Wildpferden und schottischen Hochlandrindern. Du fährst nicht „dran vorbei", du fährst mittendurch. Pferd­begegnungen sind die Regel, nicht die Ausnahme.

4. Nykøbing hat eine richtige Werkstatt.

In Nykøbing Falster gibt es Fahrradläden mit Werkstatt — wer auf der Strecke ein Speichenproblem hat, plant hier eine Stunde Puffer ein, statt bis Køge zu hoffen. Außerdem: Middelaldercentret, Dänemarks 2.-bestes Museum 2023, liegt 3 km außerhalb. Halber Tag Mittelalter zwischen zwei Radetappen ist eine sehr gute Idee.

5. Storstrømsbroen ist gerade gesperrt — nimm die Farø-Brücken.

Die alte Storstrømsbroen (Bj. 1937) zwischen Falster und Masnedø ist seit Jahren wegen Neubau gesperrt. Der Radweg führt heute über die Farø-Brücken (E47) — landschaftlich der bessere Übergang, weil du oben den Storstrømmen einmal überblickst.

Falster-Highlights auf Stage 5

  • Gedser Odde

    Südlichster Punkt Skandinaviens, Leuchtturm, im Frühjahr Vogelzug-Hotspot

  • Bøtø Skov

    Konik-Wildpferde und Hochlandrinder direkt am Radweg

  • Marielyst-Strand

    20 km feiner Sand, Wassertemperatur Juli über 20 °C

  • Nykøbing Falster

    Altstadt, Middelaldercentret, Fahrradwerkstatt

  • Farø-Brücken

    Übergang nach Seeland, Storstrømmen-Blick

Fahrrad auf der Scandlines-Fähre

Mitnahme kostenlos. In der Hochsaison (Juli/August, Brückentage) vorher reservieren. Check-in am Radler-Schalter, 30 Minuten vor Abfahrt — nicht am Auto-Check-in anstellen.

Übernachten auf Falster

Drei Gebiete bieten sich für Stage 5 an:

  • Gedser — wenn du am Anreisetag nicht weit willst
  • Marielyst — Family Camp Marielyst ab ca. 38 €/Nacht, mehrere Campingplätze, viele Ferienhäuser
  • Nykøbing — B&Bs und Hotels in der Altstadt

Alle Unterkünfte im Überblick →

Service unterwegs

  • Fahrradwerkstätten in Nykøbing Falster
  • E-Bike-Ladestationen in Marielyst und Nykøbing
  • Gepäcktransport buchbar (z. B. via dänische Anbieter wie „Bike Denmark")
  • Karten- und Routenmaterial: GPX-Tracks und Detail­etappen auf der Aktivitäten-Seite

Andere Anreise-Optionen

Bereit für die Tour?

Buch die Fähre — die ist der einzige Teil der Strecke, den du wirklich vorab klären musst.

Bildnachweise: Hero-Foto „falster-fahrrad-tour.jpg" — Bestandsfoto falster.de. Farø-Brücken: „Farø Bridges 05" von Sparrow (麻雀), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (skaliert, in WebP konvertiert). · Vollständige Übersicht unter /bildnachweise.html.